Die Münchner Feministin Hannelore Mabry legte 1987 im SPIEGEL Wert auf die Feststellung, sie habe eine Gruppe nichtfeministischer Frauen nicht als Arschlöcher, sondern als Arschlöcherinnen bezeichnet. (Wolf Schneider)
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Aufklärung 2.0
Eine Jagd auf abweichendes Denken
Prof. Norbert Bolz über Thilo Sarrazin und linke Medien, ein gutes Video, empfohlen von Ex-Muslim Cahit Kaya.
Sie sollten Pat Condell mal zu einer dieser Diskussionsrunden einladen:
Sarrazin bei Stalin
Der jüngste Fernsehauftritt von Thilo Sarrazin bei Genosse Stalins fröhlicher Schauprozess im Zweiten war leider keine inhaltliche Debatte, sehr zum Erstaunen einiger meiner Genossen, die eine andere Herangehensweise gegen Klassenfeinde von der Partei erwartet hatten. Bei einigen ist gar der ganz und gar falsche Gedanke aufgekommen, dass Schauprozesse vielleicht mit unserer demokratischen Streitkultur im Widerspruch stehen könnten.
Die Zukunft von Thilo Sarrazin steht neben der Erfüllung des nächsten Fünfjahresplans im Mittelpunkt der Debatten, seit Genossin Merkel, unsere große Führerin und ehemalige Sekretärin für Agitation und Propaganda, sein Buch als „nicht im Sinne der internationalen Arbeiterbewegung“ kritisiert hatte. Ob Genosse Sarrazin Parteimitglied und Vorstand der Arbeiter-und-Bauern-Bank und am Leben bleiben kann, ist seit der Verbringung seiner Frau und seiner Kinder ins Beckmann-Gulag umstritten.
Immerhin waren große Enthüllungen garantiert, als der Moderator, Genosse Stalin, Thilo Sarrazin mit unbequemen Fragen konfrontierte.
„Herr Sarrazin, Sie behaupten, dass es eine menschliche Natur gäbe und dass der Mensch nicht unbegrenzt formbar wäre durch die Doktrin des Marxismus-Leninismus?“
„Es ist der aktuelle Stand der Wissenschaft, dass der Mensch Gene besitzt und verschiedene natürliche Talente. Der Herr Broder hat mir noch weitere Belege…“
„Sie leugnen es also nicht!“
Ein großer Aufschrei und viel Tumult ist im Studio zu hören.
„Nein, natürlich nicht. Aber meine Aussage über das jüdische Gen war in der Tat sehr ungeschickt.“
„Ungeschickt!“
Die Zuschauer ergehen sich in „Buh!“-Rufen.
„Ihre Aussage über diese wurzellosen Kosmopoliten war das einzig Anständige, was Sie in der Presse verlauten ließen, Genosse!“
„In meinem Buch geht es nicht vordergründig um Genetik, es geht eigentlich um die Fehler, die wir bei der Integration….“
Stalin haut mit der flachen Hand auf den Tisch. „Die Partei macht niemals Fehler!“, schreit er. „Was fällt Ihnen ein, die Tüchtigkeit Ihrer Genossinen und Genossen in Frage zu stellen? Bislang haben wir jeden Fünfjahresplan erfüllt, manche sogar im Rückblick, als wir noch gar nicht wussten, dass wir sie erfüllt hatten!“
„Würden Sie sich einmal meine Zahlen anschauen! Ich habe folgende statistische Methodik…“
„Was fällt Ihnen ein, Ihre Genossinen und Genossen zu bloßen Zahlen zu reduzieren! Wir sind mehr als Zahlen! Wir sind Arbeiter und Bauern, aufgeteilt in verschiedene Kolchosen und dergleichen!“
Die Zuschauer stampfen wütend mit den Füßen.
„Aber der Stand der Forschung…“
Die Sendung fand ein abruptes Ende. Momentan ist das Volkskomissariat für Innere Angelegenheiten mit dem Fall „Sarrazin“ betraut. Er wurde als Klassenfeind zunächst ins Plaßberg-Gulag gebracht. Sein Buch soll verbrannt werden und Genosse Christian Wulff vom Politbüro will für seinen Ausschluss aus dem Vorstand der Arbeiter-und-Bauern-Bank sorgen. Meine Genossen haben angemerkt, dass Genosse Wulff wider unsere Gesetze handeln müsste, um Genosse Sarrazin auszuschließen, doch das ist nur ein übles Gerücht. Denn die Partei macht niemals Fehler.
Sarrazin bei Hart aber fair
Thilo Sarrazin war nun auch bei „Hart aber fair„, die pseudo-kritische Sendung für Pseudo-Bildungsbürger, die gerne ihre behämmerte Meinung im Fernsehen hören möchten. Wie schon „Beckmann“ war es ein Tribunal, wieder alle gegen einen, mit nur einer Ausnahme (Historiker Arnulf Baring). Auch ansonsten war alles beim Alten.
Wie ein Mob hysterischer Gänse traten sie an – schon wieder! – gegen ruhig und rational argumentierende Individuen.
Es ist „gewalttätig“ über Menschen so zu reden wie Sarrazin, sagt Michel Friedman. Gewalttätig. Über Menschen zu reden sei gewalttätig. Was für ein gewalttätiger Schwachsinn!
Asli Sevindim projiziert ihre Lebensgeschichte auf alle anderen Muslime und behauptet, dass Genetik nichts mit Bildungserfolg zu tun haben soll, wie irgendwelche nichtgenannten Wissenschaftler herausgefunden haben wollen (das Gegenteil ist wahr). „Ich würde mich eigentlich mit Herrn Sarrazin nicht auf eine inhaltliche Debatte einlassen“, sagt sie. Na, dann halt die Klappe!
„Ohne jeden Inhalt“, sei die Rede von Sevindim gewesen, sagt Sarrazin, außerdem ohne Faktenkenntnis.
Friedman meint, dass jeder, der genetische Unterschiede zwischen Gruppen, die Intelligenz betreffen, behauptet, den Boden der Republik verlassen würde. Na, den verlasse ich doch gerne, wie auch zahlreiche Intelligenzforscher, auch wenn es unserem Großinquisitor nicht gefällt:
„Es gibt den weitverbreiteten Wunsch, endlich die Umweltfaktoren zu finden, durch deren Manipulation [Intelligenz gesteigert werden kann]. Bisher jedoch – und das nach sehr intensiver Suche – hat man keine gefunden. Deshalb lautet der gegenwärtige Konsens, dass Unterschiede im IQ Unterschiede in der zugrunde liegenden Biologie und nicht der sozialen Umwelt reflektieren. Dem entspricht der gegenwärtige Konsensus, dass seelische Krankheit ein biologisches Phänomen darstellt und der Volksglaube von vor 50 Jahren, dass sie auf zu strenge Reinlichkeitserziehung oder überdistanzierte Väter zurückgehe, ohne empirische Basis ist.“
Quelle: Welt.de, Zitat von Intelligenzforscher Richard Heier
Friedman findet, wer behauptet, man könne Menschengruppen anhand ihrer Gene voneinander unterscheiden, mache eine rassistische Äußerung. Die aktuelle Forschungslage macht also eine rassistische Äußerung:
Angehörige von Volksgruppen, die häufig unter sich heiraten und sich fortpflanzen, sind auch genetisch verknüpft. Es ist bekannt und wissenschaftlich unbestritten, dass es genetische Muster gibt, die bei Juden gehäuft vorkommen. Im Juni 2010 hat eine Gruppe von amerikanischen und israelischen Wissenschaftlern im renommierten American Journal of Human Genetics erneut belegt, dass sich verschiedene jüdische Untergruppen genetisch voneinander unterscheiden, aber auch, dass die jüdischen Untergruppen letztlich einen gemeinsamen Ursprung haben. Bestimmte Gen-Ausprägungen variieren von Population zu Population. Ein einziges Gen allein kann eine Population nicht charakterisieren. Durch die Analyse einer grösseren Zahl von genetischen Merkmalen kann aber eine Häufigkeitsverteilung erstellt werden, die eine Zuordnung zu einer Population ermöglicht.
Quelle: Weltwoche (Danke an Beda Stadler für den Link!)
Sarrazin spricht über Wissenschaft und dass Henryk Broder ihm weitere Belege geschickt habe, die ihn bestätigen. Er wird niedergeschrien von Sevindim und Friedman.
Die Forscherin Elsbeth Stern, eine von Sarrazin gebrauchte Quelle, distanziert sich von ihm und redet absurden Unsinn, der dem Stand der Forschung über alles (u.a. Dysgenik) widerspricht. Zumindest ihr Ruf ist bei der Inquisition wieder hergestellt.
SPD-Politiker Rudolph Dressler meint, er habe Wissenschaftler über das Thema Intelligenz von Juden gelesen und sagt, die 15% höhere Intelligenz von Juden, die Sarrazin behaupte, sei Blödsinn. In Wahrheit ist das, was Dressler sagt, Blödsinn.
Friedman meint, Sarrazin schlage auf Ausländer ein und mache ein Brandstiftungs-Feuer. Er verurteile „menschenfeindlich“ ganze Gruppen.
Ich verurteile menschenfeindlich ganze Friedmans für ihren ununterbrochenen Schwall an dämlichen, selbstgerechten und feigen Kommentaren.
„Lieber Herr Friedman, ich renne nie weg“, sagt Sarrazin.
Das Statistische Bundesamt findet es in einer Einspielung fragwürdig, aktuelle Trends auf 120 Jahre hochzurechnen. Aber was soll Sarrazin sonst machen? Er kann nur davon ausgehen, dass die Entwicklung gleich bleibt, da er nicht weiß, was dazwischenkommen wird. Außerdem will er ja gerade, dass wir etwas gegen diese Entwicklung tun. Wissenschaftler, die diese Einblendung sehen, dürften nur noch die Köpfe schütteln. Schließlich sind derartige Modellrechnungen Standard in der Statistik (und Sarrazin machte lediglich eine konservative Prognose). Und er hat ja nicht behauptet, dass die Entwicklung unvermeidbar so weiterginge.
Gegen Ende gibt es eine Einspielung, laut der Sarrazin und Arnulf Baring in einer Partei rechts von der CDU Gallionsfiguren werden könnten.
In der Weltwoche heißt es zur Sendung:
„Richtiges Zahlenwerk“ wurde nur der Anklage zugebilligt und Sarrazins Statistiken als zwielichtig und menschenverachtend abgelehnt. Dagegen wurden bekannte und unbekannte ethnische Vergleiche des Autors durch Vorlesen ans Licht gebracht.
Nicht genug wurden noch zwei weitere Staatsanwälte durch perfekte Elektronik in den Raum gebeten. Das erhöhte die Zahl der virtuellen Talare auf sieben. Meine Gedanken streiften Schneewittchen.
Wanderers Nachtlied
Jetzt muss ich mal sehr penibel sein als Literaturstudent und darauf hinweisen, dass Wanderers Nachtlied nicht das Gedicht ist, das in der Sendung zitiert wurde, sondern das hier von 1776:
Der du von dem Himmel bist,
Alle Freud (Alles Leid) und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest;
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all die Qual (der Schmerz) und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!
Das viel bekanntere Gedicht, das in der Sendung zitiert wurde, wurde vier Jahre später geschrieben und heißt „Ein Gleiches“ (was sonstwas bedeuten kann, mein Prof war jedenfalls nicht der Meinung, dass es sich auf den Titel beziehen muss, wobei es sich gewiss irgendwie auf das erste Gedicht bezieht). Goethe hat es spontan auf die Holzwand einer Jagdhütte geritzt, als er wandern war.
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Wikipedia ist hier sogar mal ordentlich. Ursprünglich dachte ich, das Ende des Gedichts würde auf den Tod verweisen, aber es verweist eigentlich nur auf den Schlaf des Wanderers.
Goethes selbst sollte es später anders interpretieren. Auf Wikipedia steht auch die tragische Anekdote, als Goethe später zurückgekommen ist zu der Jagdhütte:
„Im August 1831, ein halbes Jahr vor seinem Tod, besuchte Goethe während seiner letzten Reise mit dem Bergingenieur Johann Christian Mahr die Hütte ein letztes Mal und stieg sofort in das obere Stockwerk, um zu schauen, ob sein Gedicht an der Holzwand noch zu lesen war. Mahr berichtet darüber folgendermaßen:
Goethe überlas diese wenigen Verse, und Tränen flossen über seine Wangen. Ganz langsam zog er sein schneeweißes Taschentuch aus seinem dunkelbraunen Tuchrock, trocknete sich die Tränen und sprach in sanftem, wehmütigem Ton: Ja: warte nur, balde ruhest du auch! schwieg eine halbe Minute, sah nochmals durch das Fenster in den düsteren Fichtenwald und wendete sich darauf zu mir mit den Worten: Nun wollen wir wieder gehen!“
Was haben wir heute gelernt?
Goethe hin oder her – das Thema wäre eigentlich schöner –, habe ich mich dazu entschlossen, in Zukunft Thilo Sarrazin und diejenigen seiner Thesen, die gut belegt sind, gegen die Inquisition zu verteidigen.
Immer wieder gibt es diese Debatten, wo eine Horde von politisch korrekten Moralaposteln in Schwärmen auftritt, um Freidenker oder sonstwen in die Nazi-Ecke zu stellen. Und der Zentralrat der Juden hat mit seinen Sarrazin-Hitler-Vergleichen nichts besseres zu tun, als Antisemiten in die Hände zu spielen, indem er ihren Vorwurf, „die Juden“ würden den Holocaust und die Nazis für eigene Zwecke benutzen, unnötig füttert. Ich schließe mich der Kritik Broders am Zentralrat an.
Das ist vielleicht eine miese Streitkultur in Deutschland. Warum richten wir Leute mit unliebsamen Meinungen nicht gleich hin?
Eine Landschaft der Moral
„The Moral Landscape“ lautet der Titel des neuen Buches von Sam Harris. Man stelle sich eine Landschaft mit Tälern, Ebenen, Hügeln und Bergen, mit fruchtbaren Regionen und mit weniger fruchtbaren Regionen vor. Es sind fruchtbare Böden für Moral, Berge des Glücks, Täler des Leids.
Im Evo-Magazin gibt es das neue FAQ zum Buch, von Sam Harris höchstpersönlich.
Sarrazin bei Beckmann
Thilo Sarrazin, http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Thilo_Sarrazin030709.jpg&filetimestamp=20100717150035
So, hab mir die Sendung angesehen. Der Steinigungsversuch war erfolglos. Thilo Sarrazin hat einen viel besseren Eindruck gemacht, als alle anderen Diskussionsteilnehmer. Mein häufigster Gedanke: „Beckmann, halts Maul!“. Ständig schwafelt der Mann allen anderen dazwischen, völlig ohne erkennbaren Grund. Nur, weil er nicht einsehen will, dass er im Grunde überflüssig ist. (Update über Sarrazins Politik)
Künast meint, man dürfe Muslime und Christen nicht voneinander unterscheiden. Ist alles dasselbe. Wozu überhaupt noch analytisch denken, alles ist genau gleich! Ein Baum ist ein Fluss, ein Stuhl ist ein Stein, ein Christ ist ein Moslem, und: Der Islam ist genauso gewalttätig wie alle anderen Religionen! Islam und Christentum mögen sich einen historischen Wettbewerb um Gewalttätigkeit leisten, aber es gibt aktuell fast keine christlichen Terrorgruppen, die den Westen bedrohen (gelegentlich taucht eine rechtsradikale Terrogruppe auf, die christliche Apokalyptik in ihr Weltbild gemischt hat). Und die Jainisten haben noch nie irgendeinen Krieg geführt. Aber egal. Religion ist Religion ist Religion. Wenn wir uns lange genug einreden, dass es keine Unterschiede gibt, dann gibt es bald keine mehr.
„Wer soll das hier noch verstehen?“, fragt Beckmann, als Sarrazin seine Mathematik erklärt. „Die Araber!“. Darüber will er sich doch aufregen. Dass Sarrazin über „die Araber“ gesprochen hat! Aber ich wollte den Teil über die Mathematik hören, verflucht!
Künast zweifelt die Bedeutung von Zahlen an. Wenn die Zahlen so super wären, hätte Gott nämlich zuerst die Zahlen erschaffen (das hat die echt gesagt!). Und Sarrazin ist ja auch so „abwertend und gefühlskalt“. Mit seinen Zahlen.
Bis auf Sarrazin sind alle Gäste und der Moderator wie hysterische Irre rübergekommen, die unbedingt was über seinen wahren oder eingebildeten Rassismus sagen wollten.
Ranga Yogeshwar (als Immigrant ein Fall von persönlicher Betroffenheit, die man ihm leider ansieht) spricht davon, dass es nicht nur eine Intelligenz gäbe, sondern auch emotionale Intelligenz und tausend andere Sachen und angeblich wäre das der Stand der Forschung. Es ist wahr, dass Intelligenz aus verschiedenen Gründen umstritten ist (wobei emotionale Intelligenz noch viel mehr umstritten ist als die allgemeine Intelligenz, die Sarrazin benutzt!), aber es stimmt auch, dass verschiedene Arten von Intelligenztests sehr ähnliche Ergebnisse erbringen, woraus „g“, der Generalfaktor der Intelligenz abgeleitet wurde.
Der Begriff beinhaltet, dass in vielen verschiedenen Intelligenzleistungen mehr oder weniger stark ein allgemeiner Intelligenzfaktor mitwirkt. Dies rechtfertigt es, vereinfachend von „der“ Intelligenz zu sprechen. [...] . Bei differenzierterer Betrachtung, wie es z. B. die Berufsberatung oder Neuropsychologie erfordern, ist es oft sinnvoll, die Ausprägungen spezifischer Intelligenzfaktoren zu unterscheiden.
Über den Streit um den Generalfaktor gibt es ein aktuelles Buch namens „The General Factor of Intelligence„. Auf jeden Fall ist der g-Faktor der am weitesten unter Psychologen anerkannte Intelligenzfaktor, auch wenn (zusätzlich) weitere angeführt werden und auch wenn nicht jeder damit einverstanden ist. Das ist sogar die offizielle Meinung der APA (amerikanischer Berufsverband der Psychologen). Außerdem ist die APA der Meinung, dass Intelligenz zu 75% erblich ist, was mit Sarrazins 50-80% gut übereinstimmt.
Es gibt inzwischen schon eine wissenschaftliche Arbeit gegen die Zensur der Intelligenzforschung, weil diese so häufig vorkommt: „Die Unterdrückung der Intelligenzforschung. Wir schaden jenen, denen wir helfen wollen„.
Ich werde mir die Arbeit durchlesen und dann darüber schreiben.
Auf jeden Fall finde ich, dass Thilo Sarrazin erfolgreich den Eindruck erweckt hat, mehr an einer rationalen Debatte interessiert zu sein, trotz gelegentlicher Polemik, als alle anderen. Das mag durchaus nur ein Eindruck sein, aber seine Gegner werden sich umso mehr bemühen müssen, nicht mehr wie ein Haufen Irrer zu wirken, sondern wie informierte Bürger oder Experten, die in ruhigem Ton sinnvolle Antworten geben können.
Über Sarrazins Politik
Sarrazins Politik ist der totale Blödsinn. Ab der ersten Klasse soll es verpflichtende Schuluniformen und verpflichtende Ganztagsschulen für alle geben. Alles klar, wir können nicht einmal die freiwilligen finanzieren! Ich war außerdem in einer Ganztagsschule und fand es zum kotzen. Ich bestehe auf Zeit für freie Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung und will in meiner Freizeit nicht terrorisiert werden von unfähigen Pädagogen, die sich Machtmissbrauch und sadistische Spielchen auf die Fahne geschrieben haben. Und jedes unentschuldigte Fehlen soll „empfindliche Geldbußen“ nach sich ziehen. Ich bin dagegen, dass Schüler so terrorisiert werden, nur um einige Muslime aus ihren Parallelgesellschaften herauszuholen.
Die deutsche Einwanderungspolitik ist jetzt schon sehr restriktiv, die Asylantenheime sind ein Skandal. Ich finde, dass Immigranten daraufhin überprüft werden sollten, ob sie mit den Grundlagen der freien Gesellschaft übereinstimmen. Ihre Qualifikation kann auch ein Kriterium sein, aber nicht bei politischen Flüchtlingen.
Was seine herabwertenden Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger angeht und seine Meinung, sie würden auch mit weniger Geld gut auskommen, kommt es mir so vor: Sarrazin will die Armen noch ärmer machen, weil es ihn anwidert, wie arm sie sind.
„Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer.“
Vor allem diese Forderung finde ich abartig. Keine Transferleistungen für Einwanderer bei gleichzeitigem Arbeitsverbot sind ein Todesurteil. Und Asylanten erwähnt er gar nicht. Ich frage mich, ob er damit nur provozieren will, aber wörtlich genommen ist das eine schreckliche Forderung.
Generell habe ich den Eindruck, dass sich Sarrazin von der Unterschicht und speziell von Muslimen bedroht fühlt. Er spricht nicht nur Probleme an, die sich andere nicht anzusprechen trauen, sondern er fantasiert sich eine Reihe von Problemen herbei, die es nicht gibt. Und er will neue Probleme erzeugen.
Zudem frage ich mich natürlich auch, warum er mit dem Genetik-Zeug überhaupt ankommt? Ich finde es insofern gut, weil mich das Thema interessiert und weil es im Allgemeinen vollkommen totgeschwiegen wird. Aber seine Motivation wird eine ganz andere sein als intellektuelles Interesse am Thema.
Ergänzung: Martin hat darauf hingewiesen, dass ich seine politische Haltung zu Einwanderern vielleicht falsch verstanden habe. Möglicherweise denkt er gar nicht an Asylanten, sondern er will die Einreise von diesen abgesehen auf Hochqualifizierte beschränken, die dann keine Transferleistungen mehr bekommen sollen. Gewiss kann man über Übergangsregeln nachdenken, aber irgendwann muss für Immigranten dasselbe gelten wie für andere Deutsche. Wenn die einen Transferleistungen bekommen, dann auch die anderen.
Ergänzung 2: Aber die Kritik an meinen vorschnellen Schlüssen ist berechtigt. Ich werde erst sein Buch durchlesen und dann abschließend urteilen. Necla Kelek findet es jedenfalls super.
Das „jüdische Gen“
Über Sarrazins Juden-Gen gibts was im Tagesanzeiger:
Auch als weltweit Medien im Juni über zwei Studien über gemeinsame genetische Wurzeln der Juden berichteten, kam es zu keinem öffentlichen Aufschrei. Dabei wurde die Studie der New York Universität im «American Journal of Human Genetics» veröffentlicht, und die Studie des Rambam Medical Center in Haifa, Israel, wurde im Fachblatt «Nature» publiziert. Die Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass heutige Juden viele Gene von einer ursprünglichen jüdischen Bevölkerungsgruppe geerbt haben, die vor rund 3000 Jahren im Mittleren Osten lebte. «Damit sind die heute lebenden 13 Millionen Juden nicht nur durch Kultur und Religion, sondern auch durch ein gemeinsames biologisches Erbe miteinander verbunden,» schrieb am 17. Juni 2010 etwa der «Tagesspiegel» im Wissen.
Auf diese Studien will sich Thilo Sarrazin bezogen habe, schreibt die deutsche «Bild». In seiner Klarstellung hat der Bundesbanker gestern gesagt: «Aktuelle Studien legen nahe, dass es in höherem Masse gemeinsame genetische Wurzeln heute lebender Juden gibt, als man bisher für möglich hielt.» Und weiter: «Wenn neue genetische Forschungen zeigen, dass viele heutige Juden zahlreiche Gene von einer ursprünglichen jüdischen Bevölkerungsgruppe gemeinsam haben, ist das zunächst einmal interessant. Politisch ist diese These neutral. Um eine rassistische Äusserung handelt es sich nicht.»
Wenn sich Juden dadurch definieren, dass Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat, sollte es jedem denkenden Menschen klar sein, dass die Betroffenen ein „gemeinsames biologisches Erbe“ haben müssen. Das ist einfach Logik.
Was die Intelligenz von askenasischen Juden angeht, so gibt es eine Reihe von Studien, die alle aufzeigen, dass sie in Intelligenztests höher abschneiden als alle anderen. Die Anthropologen Gregory Cochran, Jason Hardy, Henry Harpending erklären die hohe Intelligenz von askenasischen Juden genauso wie Sarrazin (soweit ich seine Position mitbekommen habe):
Großteils hatten sie Jobs, in denen ein höherer IQ stark den ökonomischen Erfolg gefördert haben, in Gegensatz zu anderen Populationen, die überwiegend Bauern waren. Sie lebten unter Bedingungen, unter denen ökonomischer Erfolg zu erhöhten Reproduktionserfolg führte.
Im Fazit des Originals:
Our general hypothesis is that high IQ test scores of Ashkenazim, along with their unusual pattern of abilities, are a product of natural selection, stemming from their occupation of an unusual social niche. All the required preconditions–low inward gene flow and unusually high reproductive reward for certain cognitive skills, over a longenough period–did exist. These preconditions are both necessary and sufficient, so such a selective process would almost inevitably have this kind of result. The pattern of high achievement among Ashkenazi Jews and the observed psychometric results are certainly consistent with this hypothesis.
Und nochmal zu der Frage, warum ich hier überhaupt Stellung nehme, ohne Experte zu sein: Ich nehme eine wissenschaftsjournalistische Haltung ein und ich stecke, wie ich meine, genügend Recherche hinein (die Quellen sind ja alle angegeben und nachprüfbar). Das mache ich auch nicht erst jetzt, sondern seit ich das erste Mal vor ein paar Jahren auf die Studien von Richard Lynn gestoßen bin, die ja durchaus ein Weltbild erschüttern können. Und von daher sehr interessant sind.
Die Bedeutung von Intelligenz
Der g-Faktor scheint einen großen Einfluss auf den Erfolg im Leben zu haben – könnte allerdings auch an den IQ-Tests liegen, die der Schlüssel sind für Bewerbungen! Übrigens habe ich selbst nicht in allen IQ-Tests, die ich bislang gemacht habe, gut abgeschnitten, also vertrete ich die g-Faktor-Theorie eher zum eigenen Nachteil. Ich sehe es wie Stephen Hawking: IQ-Tests sind was für Idioten. Wobei diese feindliche Haltung wie eine selbsterfüllende Prophezeiung gewirkt haben könnte.
Persönlich finde ich angeborene Intelligenz also eher unwichtig. Es gibt sehr intelligente Leute, die einen miesen Charakter haben. Totalitäre Führerfiguren waren oft sehr intelligent. Es kommt darauf an, wofür man die Intelligenz gebraucht, ob man sie überhaupt gebraucht. Es gibt eine Reihe von Akademikern, die ihre Intelligenz nur in ihrem Fachbereich gebrauchen, um an Pöstchen, Kohle und Frauen zu kommen. Überhaupt sind das die Hauptmotivationen für den allgemeinen Intelligenzgebrauch.
Ich persönlich respektiere ausschließlich Individuen gleich welcher Herkunft mit einer aufrichtigen philosophischen Haltung (da leide ich am Spinoza-Autismus) und mit anderen rede ich in der Regel nicht, weil ich sie bestenfalls als uninteressant und langweilig empfinde. Wer sich nicht dafür interessiert, wie die Wirklichkeit tatsächlich beschaffen ist, weil es nicht in sein kleinliches Weltbild, in seine religiöse oder politische Ideologie passt, kann sich verpissen. Außerdem respektiere ich Leute, die aus moralischer Sicht anständig sind, egal, welchen IQ sie haben. Aber meine persönliche Meinung ändert die Fakten nicht und diese Unterscheidung von subjektivem Empfinden und objektiven Tatsachen könnte eine ganze Reihe von Leuten endlich für sich akzeptieren.
Sarrazins Steinigung widerspricht der Scharia
Intelligenzforschung? Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen!
Die Debatte über den bösen Thilo Sarrazin ist wie eine Aufführung von Hamlet, und alle warten auf die Szene, wenn am Ende alle sterben. Während Sarrazin meint, Intelligenz wäre zum Großteil vererbt und Muslime bekloppt, ist der Zentralrat der Juden der Auffassung, dass Juden keine Gene hätten, weil sie von Sträußen gebracht werden und dass Genetik eine Propagandalüge von den Nazis ist.
Beckmann ist so ähnlich aufgebaut (Tausend gegen Einen) wie Kerner, die Talkshow, in der Richard Dawkins von der heiligen Inquisition hingerichtet wurde. Nun soll auch Sarrazin ein frühzeitiges Ende finden. Statt Rente mit 67: Tod mit 65. (Update!)
„Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist“, sagte der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer. So früh in der Auseinandersetzung sind wir schon im Kindergarten angelangt. Allerdings hat Kramer diese Aussage zurückgezogen und sie durch etwas noch viel Dümmeres ersetzt:
Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte. Sie verraten ein Weltbild, das mit der biblischen Botschaft, Gott habe alle Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, unvereinbar ist.
Sarrazin ist also Rassist, weil er nicht an eine „biblische Botschaft“ glaubt. Na, dann bin ich Hyper-Rassist, weil ich an die ganze Bibel nicht glaube. Wer ein derart unwissenschaftliches Weltbild hat wie Kramer zu haben vorgibt, der möge sich nicht in Debatten jedweder Art einmischen, insbesondere nicht in wissenschaftliche Debatten, insofern er ernstgenommen werden will. Kramer meint offenbar nicht nur, dass wir politisch alle gleichgestellt sind und sein sollten – dem ich zustimme – sondern dass wir biologisch exakt identisch wären (wir haben die selben Gene wie Gott), und das ist vollkommen irrsinnig:
Eine genetische Einteilung der Menschheit in Superkluge und Dumme, Nutzbringende und Nutzlose, Oberschicht und Unterschicht – das ist Rassismus pur.
Kramer schreibt hier, dass die genetische Einteilung der Menschheit in Superkluge und Dumme als solche bereits Rassismus wäre. Mit anderen Worten dürfen Intelligenzforscher überhaupt nicht denken, dass Intelligenz auch einen genetischen Anteil hat (und das denken alle!). Die Auffassung, dass natürliche Talente – die genetisch festgelegt sind – keinen Einfluss auf die Zugehörigkeit zur Unter- und Oberschicht haben sollten, negiert die gesamte Organisation unserer Gesellschaft, die „natürliche Aristokratie“ (Thomas Jefferson) der liberalen Staaten.
Es sind gerade die natürlichen Talente in Kombination mit ihrer Förderung und Einübung, die unseren Platz in der Gesellschaft bestimmen sollten. Der qualifizierteste Handwerker sollte den besten Job als Handwerker bekommen. Wer denn sonst? Vorher war es die Abstammung von einer aristokratischen Familie, die unseren Platz unabhängig von Talenten festlegte. Natürlich könnten wir auch Leute in die Oberschicht verfrachten, die an die Wahrheit der Bibel glauben.
Die Tirade geht weiter:
Ihn stören die „kopftuchtragenden Mädchen“ aus moslemischen Familien. Vor genau 130 Jahren schrieb Heinrich von Treitschke, wütiger deutscher Antisemit des 19. Jahrhunderts: „Über unsere Ostgrenze aber dringt Jahr für Jahr aus der unerschöpflichen polnischen Wiege eine Schar strebsamer hosenverkaufender Jünglinge herein.“ Gemeint waren Juden. Ob „kopftuchtragende Mädchen“ oder „hosenverkaufende Jünglinge“: Die Melodie ist auf erschreckende Weise gleich. Von demselben Treitschke stammte übrigens der später vom „Stürmer“ zum Motto erhobene Spruch: „Die Juden sind unser Unglück.“
Der bloße Begriff „kopftuchtragendes Mädchen“ soll Nazi-Sprech sein. Warum? Weil irgendein Nazi vor „genau 130 jahren“ von „hosenverkaufenden Jünglingen“ gesprochen hat. Was auch Nazi-Sprech ist. Wer nicht möchte, dass die Falschen mit den Nazis verglichen werden, der sollte besser als Jüngling niemals seine Hosen verkaufen – ab in die Kleidersammlung damit! – und als Mädchen sollte man besser kein Kopftuch tragen, denn das könnte Unschuldige mit Hitler assoziieren. Derjenige, der die Hosen verkaufenden Jünglinge als „hosenverkaufende Jünglinge“ bezeichnet, ist geliefert. Spricht er nur von „Jungs, die ihre Hosen verkaufen“, kann man das vielleicht noch eingehen lassen. Oder so. Keine Ahnung, was im Kopf von diesem Kramer vorgeht.
Kollege Vonhaeften, selber Jude, der sich aber über die richtigen Dinge empört, schreibt über das kommende Beckmann-Tribunal:
Heute abend um 22:45 Uhr findet bei Beckmann in gewohnt ausgewogener Zusammensetzung die nächste Runde Sarazzin-Bashing statt. Wehren darf sich Thilo Sarazzin als einzelner gegen Renate Künast, Ranga Yogeshwar, Aygül Özkan sowie Thomas Sonnenburg (Streetworker).
Zur Vorbereitung der Sendung soll Beckmann bereits eine Liste mit Wörtern („Gentechnik“, „Selektionsdruck“, „Autobahn“) erstellt haben, bei deren Nennung der Delinquent sofort die Sendung zu verlassen habe. Leider ist bei Beckmann kein Publikum zugelassen, so daß die Steinigung des Delinquenten ohne die Mitwirkung des Volkes vollzogen wird. Das ist ungerecht und widerspricht der Scharia. Man sieht, daß unsere muslimischen Mitbürger in den Medien immer noch benachteiligt werden. Aber das wird sich dank Aygül Özkan ja bald ändern. Zumindest in Niedersachsen.
Hier kann man sich die Sendung ansehen.
Es ist in der Tat eine Schande, wie heutzutage in Deutschland die Scharia missachtet wird. Während ein erstaunlicher Anteil der Deutschen palästinensischen Terroristen die Solidarität erklärt und auf die baldige Vernichtung Israels hofft, möchten unsere Germanen nichts hören von Nazis und bösen Nazi-Wörtern. Mit so etwas haben wir nichts zu schaffen!
Damit niemand meint, dies wäre leere Rhetorik, hier die Fakten von der Bundeszentrale für politische Bildung:
Die Zustimmung zum transformierten Antisemitismus ist ausgesprochen hoch. Im Frühsommer 2006 stimmten 41.5% (51.8% in 2002) der Aussage zu: „Viele Juden versuchen aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen.“ Fast 62% der Befragten ärgerten sich in 2006 darüber, „dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden“, und forderten damit implizit einen Schlussstrich. In 2004 unterstrichen dies ebenso viele Befragte mit ihrer Zustimmung zu der Aussage: „Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören.“ Fast 32% äußerten in der GMF-Umfrage 2004 Antisemitismus mit Israelbezug, d.h. sie verallgemeinerten Juden mit Israel: „Durch die israelische Politik werden mir die Juden immer unsympathischer.“ 44.4% bestätigten diesen Vorwurf: „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“
Besonders hoch ist die Zustimmung zur NS-vergleichenden Israelkritik: 68.4% der Befragten stimmten in 2004 der Aussage eher oder sogar voll und ganz zu, dass Israel einen „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ führt, und 51, 2% der Befragten meinten: „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reichen mit den Juden gemacht haben.“ 90% derjenigen, die eine Kritik an Israel äußern, die zwar hart ist, aber ohne antisemitische Untertöne auskommt, stimmen auch mindestens einer Facette des Antisemitismus zu. Ebenso drückten viele Befragte einen separatistischen Antisemitismus aus, indem sie zustimmten: „Die deutschen Juden fühlen sich stärker mit Israel als mit Deutschland verbunden“ (55.5% in 2004) bzw.: „Die Juden hierzulande interessieren sich mehr für israelische als für deutsche Angelegenheiten“ (47.7%).
Anders ausgedrückt: Etwa die Hälfte der Deutschen sind Antisemiten. Und wer könnte ein größeres Interesse daran haben, sich öffentlich von Antisemiten zu distanzieren, wie es viele unserer öffentlichen Führer in einem Anfall von Panik gerade tun, wenn es um den bösen Sarrazin geht?
Hat Hitler die Intelligenz erfunden?
Als Wissenschafts-Freak interessiert mich vor allem, was eigentlich dran ist an der vererbten Intelligenz, von der Sarrazin spricht. Vorweg: So weit wir wissen, entsteht die Intelligenz in einer Wechselwirkung zwischen Genen und Umwelt. Es gibt nicht ein einziges Intelligenzgen, sondern mehrere Gene, welche die Intelligenz beeinflussen. Wie auch immer Intelligenz entsteht, so steht fest, dass bestimmte Ethnien in bestimmten Ländern im Durchschnitt anders in Intelligenztests (egal, welche gebraucht werden) abschneiden als andere Ethnien. Ich bin selbst kein Fan von Thilo Sarrazin und ich habe nicht den Eindruck, dass er sich genügend mit Genetik befasst hätte. Aber ich denke auch, dass die Kritik an seinen Genetik-Thesen noch dämlicher ist als seine unscharfen und teils recht absurden Genetik-Thesen.
Frank Berghaus hat auf wissenrockt.de über das Thema Intelligenzforschung, Sarrazin und Muslime geschrieben.
Ethnische Intelligenzunterschiede sind zweifellos vorhanden und zwar unabhängig davon, welche Art von Test verwendet wird. Das muss an dieser Stelle als Faktum genügen, ob es den Gleichheitsfanatikern nun passt oder nicht. Von allen eingewanderten Neu-Deutschen weisen jüdische Russen mit großem Abstand den höchsten IQ aus, am geringsten ist er bei Türken, Arabern und Nordafrikanern. Sollte Sarrazin mit seiner provokanten Äußerung also gemeint haben, dass dumm “weniger intelligent” bedeutet, liegt er richtig.
Aber vielleicht ist Frank Berghaus ja auch Hitler (ich selbst bin ja auf jeden Fall Hitler, man höre meine Personifikation). Die American Psychological Association (amerikanischer Berufsverband von Psychologen) hat 2005 eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Forschung in diesem Bereich herausgegeben: „30 Jahre Forschung über die Unterschiede kognitiver Fähigkeiten von Ethnien„. Ergebnis:
Die Leugnung jedweder genetischer Komponente in menschlicher Variation, auch zwischen Gruppen, ist nicht nur schlechte Wissenschaft, sondern es ist wahrscheinlich ungerecht gegenüber einzigartigen Individuen, wie auch gegenüber der komplexen Struktur von Gesellschaften.
Die Autoren der Arbeit zitieren affirmativ den Soziologen Bressler (1968):
Eine Ideologie, die taktvoll an die biologische Gleichheit als eine Bedingung für menschliche Emanzipation appelliert, korrumpiert die Idee der Freiheit. Außerdem ermutigt sie anständige Menschen, bei der Aussicht auf „unbequeme“ Erkenntnisse, die zukünftige wissenschaftliche Forschung erbringen könnte, zu erzittern.
Die Unwahrheit schadet gerade auch den Muslimen – die natürlich nicht generell dümmer sind als sonstwer, denn die Intelligenzunterschiede zwischen Ethnien sind Mittelwerte, außerdem sind Muslime keine Ethnie, sondern Anhänger einer Religion, die aufgeteilt sind in verschiedene Ethnien. Allerdings gibt es unter vielen Muslimen, insbesondere jenen aus Pakistan, die Praxis, ihre Cousins zu heiraten, was zu genetischen Defekten des Nachwuchses führen kann. Auch bei diesem Thema sollte man besser etwas von Genetik verstehen und nicht auf Stephan Kramer machen. Darüber schreibt die muslimische Menschenrechtlerin Tazeen Ahmad in MailOnline:
In England heiraten über 50% der britischen Pakistanis ihre Cousins – in Bradford sind das 75% – und überall im Land verbreitet sich die Praxis immer mehr und ist auch unter Ostafrikanern, Menschen aus dem Mittleren Osten und in bangladesischen Gemeinschaften an der Tagesordnung.
Als meine Großeltern Kinder hatten, waren die medizinischen Fakten noch nicht bekannt. Aber heute gibt es alleine in England mehr als 70 wissenschaftliche Studien zum Thema.
Wir wissen, dass Kinder von Cousins ersten Grades mit zehnmal höherer Wahrscheinlichkeit an rezessiven genetischen Krankheiten erkranken, welche Kindersterblichkeit, Taubheit und Blindheit bedeuten können.
Der Genetiker Jason Malloy bestätigt einige der umstrittenen Äußerungen, mit der James Watson, Mitentdecker der menschlichen DNA, vor ein paar Jahren in die Kritik geraten ist. Er stellt ausführlich dar, wie die Belege für vererbte Intelligenzunterschiede zwischen Ethnien aussehen und schreibt in seiner Schlussbemerkung:
Zusammen mit E.O. Wilson ist James Watson vielleicht der hervorragenste lebende Vertreter der amerikanischen Biologie, und selbst er war nicht immun gegen den sofortigen Ausschluss aus genau dem Labor, das er in über 40 Jahren seines Lebens erschaffen und aufgebaut hat, und gegen die Exkommunikation aus dem wissenschaftlichen Establishment, das ihn feierte. All dies wegen eines Verbrechens: Die Aussprache von wissenschaftlichen Fakten und Hypothesen, welche diese Gemeinschaft als unbequem empfand. Dasselbe persönliche und berufliche Schicksal ereilte den ehemaligen Präsidenten von Harvard, Larry Summers, nachdem er 2005 eine rein akademische Diskussion über Frauen in der Forschung führte, während einer ökonomischen Konferenz, deren Ziel es war, genau dieses Thema zu debattieren!
Welchen Effekt wird diese fortgeführte Lynchjustiz auf zukünftige und gegenwärtige Wissenschaftler und Forscher haben, die menschliche Genetik, kulturübergreifende Psychologie, Soziologie, oder jedwede Disziplin studieren möchten, die ähnliche Fakten aufzeigen könnten, welche das Potenzial haben, die berufliche oder persönliche Zerstörung durch eine intellektuelle Kultur hervorzubringen, die der mittelalterlichen Kirche ähnelt?
Diejenigen, die bestrafen, diejenigen, die lügen, diejenigen, die anderen den Mund verbieten, die verurteilen, die einschüchtern… sie haben die Wissenschaft verraten.
Sie haben die intellektuelle Offenheit, Freiheit und Fairness unserer Gesellschaft und unserer Institutionen verraten, mit unsagbaren Kosten für unser kollektives menschliches Wohlbefinden.
Nicht James Watson.
Berge an Belegen vs. Köpfe voller Stroh
Ulrich Berger von der GWUP (die deutschen Skeptiker) hat damals James Watson ebenfalls verteidigt:
Intelligenz, so eine gebräuchliche Konvention, ist das, was übliche psychometrische Tests zur Ermittlung des IQ (Hamburg-Wechsler Test, Stanford-Binet Test etc.) messen. Diese Tests werden für verschiedene Altersstufen regelmäßig an großen Stichproben aus der weißen Bevölkerung geeicht, so dass diese einen Mittelwert von 100 Punkten bei einer Standardabweichung von 15 erreicht. Welchen Wert erreichen Schwarze auf dieser Skala? Dazu gibt es Dutzende von Studien (ausgewertet etwa von Richard Lynn), manche davon schlecht designt, manche besser, wie es eben so üblich ist. Vereinzelte Studien fanden keinen statistisch signifikanten Unterschied. Die große Mehrheit aber kommt zum Schluss, dass der mittlere IQ von Schwarzen deutlich unter dem von Weißen liegt. Typische Schätzungen liegen etwa im Bereich von 85 bis 90 für schwarze Amerikaner und bei 70 bis 80 für Schwarzafrikaner. An der Spitze aber, so dieselben Studien, liegen die Ostasisaten mit einem mittleren IQ von etwa 105.
Die gesamte Thematik ist natürlich umstritten, auch innerhalb der Psychologie. Aber die Beweislage für die Nulldifferenzhypothese ist weniger als nur dünn.
Ich selbst habe in meiner Rezension zu Die unerschöpfte Theorie etwas über das Thema geschrieben:
Gewiss sind Menschen „intellektuell ungleich“ – nicht jeder ist so intelligent wie Albert Einstein. Auch Menschengruppen sind ungleich, so unwichtig das auch sein mag, und es ist sinnlos, sich die Augen zu verbinden und das einfach zu ignorieren. Oder wie es der Komiker Steven Colbert ausdrückt: „Ich sehe keine Rassen. Also kann ich nur vermuten, dass Mormonen schwarz sind.“
Ich schlage vielmehr die Definition vor: „Rassismus ist die Diskriminierung von Individuen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Menschengruppe, die sich in einem natürlichen Merkmal oder mehreren natürlichen Merkmalen von anderen Menschengruppen unterscheidet.“
Es mehren sich wissenschaftliche Studien, laut denen sich bestimmte Menschengruppen zum Beispiel in ihrer Durchschnittsintelligenz unterscheiden, weil Intelligenz ein Selektionsfaktor ist. Politisch ist das bedeutungslos. Vielmehr ist entscheidend, dass keine Diskriminierung aufgrund biologischer Eigenschaften gerechtfertigt werden kann. Ansonsten könnte man genausogut naturgemäß „dickeren“ Menschen den Zutritt zu Wirtshäusern verbieten oder Literaten Zwangssportmaßnahmen ausliefern. Der Grund, warum man das nicht tut, ist nicht jener, dass sie genetisch identisch wären! Ausschlaggebend sind vielmehr die Menschen- und Bürgerrechte.
„Diskriminierung“ im Sinne von „Unterschiedlich-Behandlung“ liegt bereits vor, wenn Frauen bei gleicher Bewertung geringere Leistungen im Sport erbringen müssen als Männer, was aufgrund von biologischen Unterschieden festgelegt wird. Dies gereicht ihnen jedoch zum Vorteil. Insofern kann man feststellen, dass eine „Schlechter-Behandlung“ aufgrund von biologischen Unterschieden ethisch nicht zu rechtfertigen ist, aber eine „Unterschiedlich-Behandlung“ wie in obengenanntem Fall unter Umständen schon. Leider trifft Utz Anhalt solche wichtigen Unterscheidungen nicht.
Wie er im Folgenden ausführt, war das Rassenkonzept der Nazis kein wissenschaftliches Konzept, sondern Ergebnis von „mythologisch-religiöse[n] Vorstellungswelten, die der Evolutionstheorie und damit der Naturwissenschaft der Moderne diamentral gegenüberstanden“ (S. 190).
Auch an der Dysgenik (Verblödung der Gesellschaft durch dumme Leute, die zu viele Kinder zeugen) ist vielleicht etwas dran (darüber wurde sogar eine Filmkomödie gedreht, Idiocracy). So heißt es in der Studie „New Evidence of Dysgenic Fertility in the United States“:
Die Ergebnisse zeigen, dass die Beziehung zwischen Fruchtbarkeit und Intelligenz für nachfolgende Geburtenkohorten von 1900 bis 1979 konsistent negativ waren, was die Präsenz von dysgenischer Fertilität für das gesamte 20. Jahrhundert, das bislang untersucht wurde, aufzeigt.
Siehe auch: Der Niedergang des Welt-IQs
Übrigens interessant, wie sich Wissenschaftler in Deutschland winden, um bloß nicht einen genetischen Anteil an der Intelligenz zu bestätigen. So zum Beispiel Markus Nöthen:
Der Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Bonn, Markus Nöthen, unterstützt diesen Standpunkt. Die Thesen zur genetisch bedingten Ausprägung von Eigenschaften wie der Intelligenz einzelner Volksgruppen seien aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Eine solche These sei „absurd“, sagte Nöthen. „Bei hochkomplexen Eigenschaften wie der Intelligenz sind hunderte von Genen im Spiel.“
Ja, natürlich sind hunderte von Genen im Spiel. Hat Sarrazin behauptet, es wäre nur ein Gen im Spiel? Die Frage ist nicht, wie viele Gene im Spiel sind, sondern ob Intelligenz einen genetischen Anteil hat und ob verschiedene Ethnien sich in ihrer Intelligenz aufgrund genetischer Faktoren unterscheiden. Und wäre Nöthen ehrlich gewesen, hätte er dies kommentieren müssen, anstatt um den heißen Brei herumzureden.
Update: Peter Singer zum Thema
Der Moralphilosoph Peter Singer hat sich ebenfalls zu dem Thema geäußert und ich stimme hier mit ihm überein:
Rasse und Intelligenz dürfen kein Tabu sein
Manche behaupten, dass die Werkzeuge, die wir zur Intelligenzmessung verwenden – IQ-Tests – selbst kulturell einseitig sind. Der verstorbene Stephen J. Gould, Verfasser von „Der falsch vermessene Mensch“, verwarf kulturübergreifende Untersuchungen per IQ-Test als Versuch des weißen Mannes, seine Überlegenheit unter Beweis zu stellen. Falls dem so war, ging dieser Versuch freilich nach hinten los: Ostasiaten schneiden bei solchen Tests tendenziell besser ab als Menschen europäischer Abstammung. Andererseits ist es ganz klar möglich, dass Unterschiede zwischen den IQ-Ergebnissen von Menschen in verarmten und in wohlhabenden Ländern durch Faktoren wie Bildung und frühkindliche Ernährung beeinflusst werden. Derartige Variablen zu kontrollieren, ist schwierig.
Doch wer verlangt, dass wir in diesem Bereich keine Forschungen durchführen sollten, sagt damit auch, dass wir auf eine unvoreingenommene Untersuchung der Ursachen von Unterschieden bei Einkommen, Bildung und Gesundheit von Menschen unterschiedlicher Rassen und ethnischer Gruppen verzichten sollten. Angesichts derart gravierender gesellschaftlicher Probleme ist es schwer zu rechtfertigen, der Unwissenheit den Vorzug über das Wissen zu geben.
Egal, welche Tatsachen in Bezug auf Rasse und Intelligenz sich ergeben mögen, sie werden weder Rassenhass noch Respektlosigkeit gegenüber Menschen anderer Rasse rechtfertigen. Ob jemand mehr oder weniger intelligent ist, hat hiermit nichts zu tun.
Weiterer Literaturhinweis:
William Saletan: Created Equal
Es ist die Kultur und nicht die Religion
Ein immer wiederkehrendes Argument lautet, dass nicht die Religion des Islams das Problem wäre, sondern bestimmte kulturelle Praktiken in oder aus islamischen Ländern. Die Kultur soll verantwortlich sein für Steinigungen, Zwangsheiraten, Kopftuch und so weiter. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt: Ich verstehe das Argument nicht. Entweder ich bin zu blöde, oder das Argument ist zu blöde.
Ich komme darauf, weil Susan Jacoby (deren kritischer Beitrag über Evangelikale aus bayerischen Schulbüchern rauszensiert wurde) in einem aktuellen Artikel Ayaan Hirsi Ali gegen ihre Gegner verteidigt. Damit sind nicht die Islamisten gemeint, die sie umbringen wollen, sondern eine Reihe von Pseudo-Linksliberalen, die ich „postmodernistische Linke“ nenne. Das sind die Leute, die nicht an universelle Menschenrechte und an die Validität von Wissenschaft glauben, sondern an von Kulturen abhängige, relative Wahrheiten.
Jacoby nennt ein Erlebnis, wo eine 17-jährige High-School-Schülerin von ihrer muslimischen Familie mit einem 40-jährigen Mann verheiratet werden sollte. Der Schülerin wurde von ihrer Familie untersagt, ein Studium zu beginnen. Eine Freundin von Jacoby hat der jungen Frau den Rat erteilt, sich an Hilfsorganisationen für die Opfer von Zwangsheiraten zu wenden. Jedoch widersprach jemand, der die Diskussion vernommen hatte, mit dem Argument „Wir haben kein Recht, in ihre Kultur, ihre Religion, ihre Familie einzugreifen.“
Dann stellt Jacoby die Frage, warum keine linksliberale Organisation Hirsi Ali einen Job angeboten hat, als sie einen benötigte, um in den USA unterzukommen, nachdem ihr Freund Theo Van Gogh von einem Islamisten ermordet wurde. Nur das konservative American Enterprise Insitute nahm sie als Mitarbeiterin in ihre Denkfabrik auf. Darum wird sie nun von Linksliberalen angefeindet.
Die Behauptung, kulturelle Praktiken und nicht die Religion wären für Menschenrechtsverletzungen im Namen des Islams verantwortlich, scheint irgendwie politisch korrekter zu sein als die Behauptung, die Religion wäre schuld. Das hängt wohl mit dem Tabu zusammen, Religionen zu kritisieren. Aber es gibt überhaupt keinen Grund für dieses Tabu, außer jenem, dass Gläubige nicht kritisiert werden möchte, da ihnen sonst auffällt, mit welchem Unsinn sie ihr Leben verschwenden.
Doch wie Jacoby treffend bemerkt: „Was ist wichtiger für die Weltkulturen als Religion?“
In der islamischen Welt sind Religion und Kultur überwiegend dasselbe. Vergleichbar wenige kulturelle Eigenschaften (Wasserpfeifen?) resultieren dort nicht aus der Religion und haben nichts mit der angeblichen Lebensweise des „Propheten“ zu tun. Aber nehmen wir mal an, das würde stimmen, und alle Probleme, die fälschlicherweise mit dem Islam verbunden werden, sind eigentlich „kulturell“ (was heißt das eigentlich? säkular?) begründet. Wieso ist es akzeptabler, die Kultur zu kritisieren, als die Religion zu kritisieren?
Vielleicht besteht die Sorge, dass man zu viele Dinge über einen Haufen wirft, wenn man „die islamische Religion“ kritisiert. Aber das tut man gewiss auch, wenn man „die islamische Kultur“ kritisiert. Nimmt man eine Unterscheidung vor, zum Beispiel „die kulturelle Praxis der Genitalverstümmelung in Somalia“ müsste man diese Unterscheidung einer vergleichbaren gegenüberstellen, zum Beispiel „die religiöse Praxis der Steinigung von Frauen im Wahhabismus“. Das eine ist ebenso differenziert wie das andere, wenn man die Argumentationweisen anständig vergleicht.
Das ist der Grund, warum ich überhaupt nicht verstehe, wo der auch nur annähernd rationale Grund dafür liegen soll, lieber die Kultur in islamischen Ländern zu kritisieren als die Religion in islamischen Ländern. Das ist überhaupt nicht besser oder schlechter.
Zugegeben: Vielleicht reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, insofern sie nur kulturelle Praktiken, nicht etwa die Anordnungen des Propheten kritisieren, dass unseren Kulturrelativisten mit Krummsäbeln die Köpfe abgehackt werden. Überzeugender wird ihre Argumentation darum allerdings nicht.
Was sagt man als Atheist, wenn…
Ich habe mir gerade den amüsanten Vortrag von Rebecca Watson von der AAI 2010 reingezogen über das Thema, wie man ein Atheist sein kann, ohne Leute zu beleidigen. Gewiss bin ich nicht gerade ein Experte in dieser Kunst. Vielleicht haben mir darum die Optionen, wie man es nicht tun sollte, am besten gefallen:
Jemand betet für dich
Christ:
„Ich bete für dich.“
Du:
A) „Und ich denke für dich.“
B) „Sag Jesus, dass ich ein Pony will, wenn du schon dabei bist.“
C) „Und bitte ihn vielleicht auch, damit aufzuhören, Babies Leukämie zu geben.“
D) „Weißt du, ich wünschte, mehr Menschen würden die Arbeiten von Joseph Campbell (ein Mythologe) studieren.“
Eine Variation:
Christ:
„Tut mir leid, dass deine Mutter wieder an Krebs erkrankt ist. Ich bete für dich.“
Du:
„Wie wäre es, wenn du stattdessen etwas Sinnvolles tust, zum Beispiel Krebs heilen?“
Bei einer Geburtstagsfeier
Wenn das Geburtstagskind sich etwas wünschen soll, bevor es die Kerzen ausbläst.
Du:
„Ermutige dein Kind nicht zum Glauben an magische Wunscherfüllung. Das ist nur eine weitere Form religiöser Indoktrination.“
Deine Frau will zum Chiropraktiker
Frau:
„Mein Rücken tut weh und letztes Mal hat mir nur ein Chiropraktiker geholfen. Ich denke, ich gehe noch einmal hin.“
Du:
„Chiropraktiker sind Schamanen, das ist esoterischer Bullshit. Dein Rücken tut dir weh, weil du zu fett bist. Du solltest weniger essen und mehr Sport treiben.“"
Alternativen
Statt „Oh, mein Gott!“:
A) „Oh, fliegendes Spaghettimonster!“
B) „Oh, dein Gott!“
Jemand niest (statt „God Bless You“ – das Problem haben wir eigentlich nicht, trotzdem):
A) „Möge der große Cthulhu deinen Schleim konsumieren!“
B) „Ich hoffe, du stirbst nicht.“
C) „Wisch das weg.“
D) „Halts Maul!“
Statt „Gott sei dank!“:
A) „Forschung sei dank!“
B) „Güte sei dank!“
C) „Dank dem scheinbar zufälligen Zusammenfluss von Ereignissen, der zu dieser Eventualität geführt hat.“
Statt „Gott, verdammt!“
A) „Fick Jesus!“ (ist auch religiös – aber irgendwie auch nicht)
B) „Im Namen von Jerry Falwells Leiche!“
Woher kommt die Religion?
Aus Spaß an der Freude habe ich zwei weitere Podcasts aufgenommen, wo ich erzähle, wo Religion herkommt (Podcast 1) und wo ich über Evangelikale rede (Podcast 2). Wieder habe ich den Text nicht abgelesen, sondern spontan alles erzählt. Dadurch ist der Vortrag weniger flüssig, aber auch unmittelbarer. Im Podcast 1 gibts Klassik im Hintergrund und für den Podcast 2 habe ich eine härtere Gangart gewählt (aber ohne ablenkenden Gesang).
Hier geht es um die aktuellen Erkenntnisse über den Ursprung der Religion. Mit den Prototypen nehme ich Bezug auf die Prototypensemantik, sollte ich vielleicht erwähnen.
Meine Rezension von „Righteous. Dispatches from the Evangelical Youth Movement“ von Lauren Sandler.
Und das beste kommt zum Schluss. Dieser Vortrag ist abgelesen, schon älter und die Vorlage stammt von dem Schriftsteller Adam Roberts, der sich über theologische Rezensionen von Dawkins „Gotteswahn“ lustig gemacht hat. Ich fand die Satire so gelungen, dass ich sie vertonte. Bislang habe ich mich nicht getraut, das Ding zu veröffentlichen, weil es missverstanden werden könnte als ernsthafte Verteidigung des Faschismus. Außerdem mache ich darin eine Hitler-Personifizierung samt per Audioeffekten verzerrter Stimme. Ich hatte befürchtet, dass jemand mein Hitler-Ich aus dem Kontext zitieren könnte.
Aber jetzt sehe ich das nicht mehr so eng und hoffentlich auch nicht die Zuhörer…
Was glauben Christen?
In einem kreativen Anfall habe ich mich mit dem apostolischen Glaubensbekenntnis beschäftigt und darüber eine Art Podcast erstellt, will heißen eine Audiodatei, auf der ich mich darüber auslasse, was Christen eigentlich glauben müssten, unterlegt mit wunderbarer Kirchenmusik von Bach und Händel. Halleluja und viel Spaß:
Pat Condell: Neues über Ground Zero Moschee
Es dürfte schon klar sein, dass Islamisten eine Moschee auf Ground Zero als Symbol für ihren Triumphzug ansehen werden.
Von hier dringt niemals etwas nach draußen!
Ein Artikel des WDR über ein Gewaltopfer in der Waldorfschule Schloss Hamborn erinnerte Gastautor Andreas Lichte an seine dortige Hospitation. Hier sein erster Bericht.
„Sag mal’, seh’ ich eigentlich nach Waldorf aus?!“ fragt mich die Gastmutter und Waldorflehrerin.
„Nein, natürlich nicht!“ antworte ich wunschgemäss. Der typische, asexuelle Waldorf-Walle-Look ist das wohl eher nicht, aber natürlich gehört auch sie dazu.
„Ich schicke meine Kinder ja zu ausserschulischen Aktivitäten nach draussen – das ist mir ganz wichtig, damit sie nicht im Ghetto untergehen“, sagt mir ein anderer Lehrer.
Das „Ghetto“ ist die „anthroposophische Lebensgemeinschaft“ Schloss Hamborn, Westfalen, mit Waldorfschule, Waldorfinternat, Demeter-Laden, Altersheim – und eigenem Friedhof. Also nicht unbedingt die typische Waldorfschule. Aber das unvergleichliche Waldorf-Wir-Gefühl findet sich auch an jeder anderen Waldorfschule. Warum? Waldorf ist nicht einfach nur „Schule“. Waldorf ist eine Lebensform, die nicht mit dem Schul-Gong endet.
„Und am Wochenende hilfst du dann bei unserem Martinsmarkt?!“ fragt der Gastvater, Waldorflehrer.
„Nein, tut mir leid, mein Bruder feiert Geburtstag“, antworte ich, wohlwissend, dass das ein Tabubruch ist.
Mir muss nicht extra gesagt werden, dass man als (zukünftiger) Waldorflehrer Teil einer grossen Gemeinschaft ist, die höhere Ziele verfolgt: „Die Welt wird zum Tempel, die Welt wird zum Gotteshaus“, sagt Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorf-Pädagogik. Für Steiner ist die Waldorfschule der „praktische Beweis für die Durchschlagskraft der anthroposophischen Weltorientierung.“ Nicht weniger. Und die Anthroposophie ist Steiners Haus-Religion: Steiner ist ihr selbsternannter Prophet, Hellseher, dessen Worte Offenbarungscharakter besitzen. Und schon erschallt – Hosianna! – das allgegenwärtige „Rudolf Steiner hat gesagt …“
Steiner wird in Schloss Hamborn auch „zur Fortbildung“ in der Lehrerkonferenz gelesen, natürlich. Aber auch sonst hat man zu jeder noch so kleinen Lebensäusserung ein „Wahrspruchwort“ Steiners parat, ähnlich wie der vorbildliche Waldorflehrer und Dozent des „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“, der „Missionar in Sachen Steiner ist“.
In der Internatsschule Schloss Hamborn gibt es auch „schwererziehbare“ Kinder. Meine Gastmutter erzählt mir, wie sie sie empfängt: Wenn die Kinder im Internat ankommen, ringt meine Gastmutter sie erst einmal nieder, um klar zu machen, wer das Sagen hat: Die Rangordnung muss hergestellt werden … Ich denke, das kann nur ein Spiel sein und frage nicht nach. Mit einem komischen Gefühl. Jahre später lese ich dann von Kindesmisshandlung in einer anderen Waldorfschule, der „Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Alte Ziegelei Rädel“, und dem „Gilde-Griff“ der ehemaligen Leiterin Angelika Gilde. Ist das vielleicht gar nicht Gildes Erfindung? Und aus dem komischen- wird ein mieses Gefühl: was hat meine Gastmutter wirklich mit den Kindern gemacht?
Und dann kommt ein Artikel des WDR, „Hinter privaten Schultüren“, von Nina Magoley. Dort berichtet Jan Schrecker, Zitat WDR, „von Demütigungen und Misshandlungen während seiner Schulzeit, die ihm noch immer zu schaffen machen. Schrecker war bis 1996 Schüler an der Waldorfschule Schloss Hamborn in der Nähe von Paderborn. Seine damalige Lehrerin, so berichtet er, habe ihn und andere Schüler jahrelang geschlagen und massiv eingeschüchtert. Er sei Zeuge gewesen, wie die Lehrerin Mitschüler ohrfeigte oder schmerzhaft an den Haaren zog, nur weil sie Haargel benutzt hatten. Einmal habe sie den Kopf eines Jungen, der ein bedrucktes T-Shirt trug, »mit voller Wucht« auf den Tisch gehauen, so dass dessen Nase blutete.“
Nein, Jan Schreckers Lehrerin ist nicht meine Gastmutter. Aber das macht es nur noch schlimmer. Denn in Schloss Hamborn habe ich selber ein Hänsel und Gretel Gefühl: Die „anthroposophische Lebensgemeinschaft“ liegt mitten im Wald, in einem Tal-Kessel, es ist eine verschworene Gemeinschaft, ich denke: „Von hier dringt niemals etwas nach draussen!“ Und dann doch. Und was passiert?
Weiter der WDR: „Eine Strafanzeige gegen die Lehrerin, die Schrecker im Jahr 2002 bei der Staatsanwaltschaft Dortmund stellte, wurde wegen Verjährung abgewiesen. Als er sich daraufhin an die Bezirksregierung Detmold wandte, habe man ihm dort erklärt, dass die Behörde für private Schulen, wie Waldorf- oder auch kirchliche Schulen, nicht zuständig sei. Auch auf eine Petition beim Landtag NRW hin bekam der ehemalige Schüler dieselbe Auskunft. Das »Verhalten der Lehrkraft«, heißt es in einem Antwortschreiben, das WDR.de vorliegt, »konnte keine schulaufsichtliche Maßnahme auslösen«, da die Lehrkraft nicht Bedienstete des Landes Nordrhein-Westfalen war, sondern in einem privatrechtlichen Vertragsverhältnis zum Schulträger stand« (…)“
Erwartet hier jetzt irgendjemand noch ein schönes Schlusswort – ein glückliches Ende, wie im Märchen?
Quelle: Ruhrbarone.de, Andreas Lichte
Eine Herausforderung für Gläubige
„Zeig mir die Belege und Beweise, dass ein Gott das Universum erschaffen hat und nicht mehrere.“
NonStampCollector ist inzwischen ordentlich frustriert und genervt nach seinen zahlreichen Debatten mit Gläubigen, die immer wieder dasselbe sagen und die unsere Gegenargumente offenbar gar nicht verstehen. Ich befürchte inzwischen, dass Religion überhaupt nichts mit Denken, Argumenten und Verstand zu tun hat. Aber mehr als das: Ich glaube, dass Kultur allgemein nichts mit Denken, Argumenten und Verstand zu tun hat!
Ich lese gerade ein Buch über Evangelikale und parallel eine kulturwissenschaftliche Analyse des Christenums und es ist ein Albtraum! Nicht die Bücher, die sind super (ich schreibe Besprechungen, wenn ich fertig bin), sondern die Schlussfolgerung, zu der sie verleiten.
Religionen als Kulturen
Demnach gibt es mehrere Christentümer, die quasi Kulturen sind, inklusive Referenzsystemen für den Alltag, Rituale, Problemlösungsstrategien, Reaktionen auf bestimmte Situationen, Sozialordnungen, Kleidung, Essen, Weltanschauung, Menschenbild, alles ist untrennbar miteinander verbunden und die Veränderung von einem Bestandteil würde Veränderungen anderer Bestandteile des Gesamtsystems bedeuten.
Missionare verfolgen gezielt die Strategie, die Codes der vorherigen Kultur zu nutzen, um christliche Ideen in sie einzuschleußen. In den USA gibt es inzwischen Skater-Kirchen und Punk-Kirchen (argh!). Die evangelikalen Missionare haben den Leuten ihre Musik gelassen, ihre Tatoos und ihr Anti-Establishment-Getue und haben ihr rechtes Christentum mit dieser Sprache und mit diesen Codes ausgedrückt. Und das Ergebnis sind Leute, die aussehen wie Metaller, Goths, Punks, Skater und die immernoch zu Punk-Konzerten gehen (nur jetzt mit christlichen Texten), aber deren Ideologie ein reaktionär-fundamentalistisches Christentum ist.
Es ist wirklich wie ein Virus, aber nicht nur Religion, sondern Kultur generell! Wer in einer linken Clique aufwächst, für den sind die Bösen die Faschisten und wer in einer rechten Clique aufwächst, für den sind die Bösen die Linken. Es ist ein Referenzsystem, eine Art, die Welt zu verstehen, Phänomen Namen zu geben und sie zu bewerten. Die überlieferten kulturellen Inhalte sind quasi die „innere Welt“ der Menschen und sie werden einfach als „wahr“ akzeptiert. Darum kapieren die Gläubigen auch unsere Argumente nicht: Sie gehören einer anderen Kultur an! Es ist so, als würde ein Außerirdischer in Kryptorianisch mit uns sprechen und wir verstehen kein Wort!
Säkularer Humanismus als Kultur
Als radikal philosophisch und wissenschaftlich denkender Mensch stehe ich demnach am Rande der Kulturen (wie einige meiner Leser natürlich auch). Und das war immer wieder ein Problem und es wird eines für uns bleiben. Man gehört nirgendwo hin und hat auch noch gute Gründe dafür. Die Ausschaltung des Verstandes ist eine Grundvoraussetzung für die Integration in eine Kultur. Das ist weniger lächerlich, als es vielleicht klingt. Ich beschreibe hier lediglich die wissenschaftliche Perspektive, die man einnehmen muss, wenn man Phänomene analysieren will – wer sie am vorurteilsfreiesten von einer Außenperspektive beleuchten kann, ist der bessere Wissenschaftler. Und dafür ist es nötig, sich nicht von einer Ideologie vereinnahmen zu lassen.
Mir ist aufgefallen, dass es auch organisierte Atheismen gibt, die eine Art eigene Kulturen sind und dass man bestimmte Dinge nicht sagen darf, wenn man nicht aus diesen ausgegrenzt werden möchte (ich werde mir das in meinem nächsten Buch satirisch vornehmen). Echte Freidenker gibt es auch, aber man kann sie an einer Hand abzählen. Das ist mir zum Beispiel bei den Diskussionen in Free Inquiry, dem wichtigsten säkular-humanistischen Magazin aufgefallen. Einer der Autoren ist zum Beispiel ein Abtreibungsgegner und er wurde in Leserbriefen als „kein wahrer Humanist“ und dergleichen angegriffen und es wurde gefordert, ihn aus der Redaktion zu werfen.
Ein säkularer Humanist ist jemand, der das Glück der Menschen im Diesseits steigern möchte und der auf übernatürliche Erklärungen verzichtet. Nun kann man darüber diskutieren, ob Abtreibung das Glück der Menschen steigert oder nicht, aber es handelt sich keineswegs um ein Ausschlusskriterium, die eine oder andere Meinung zu vertreten. Die ganze Ausschluss-Diskussion geht an der Sache vorbei, nämlich an der Frage, wer die besseren Argumente hat.
Ich nenne das Sektiererei und die gibt es immer wieder bei allen möglichen Themen. Unter uns, meine ich, unter säkularen Humanisten. Einmal gab es eine Diskussion über Libertäre (die für einen freien Markt sind, wie Edgar Dahl) und ob die „wahre“ säkulare Humanisten sind oder nicht. Das war vielleicht bescheuert. Oder eine Diskussion über konservative säkulare Humanisten, und ob die dazugehören oder nicht. Und natürlich den Streit um meine „Muslimfeindlichkeit“ und meine Kriegstreiberei und ob ich dazugehöre oder nicht (ein wiederkehrendes Phänomen, da ich diesen Kulturen gar nicht angehören will, um Philosoph bleiben zu können).
Das Problem ist nicht, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt, sondern das Problem ist die Tatsache, dass wir es bei den säkularen Humanismen tatsächlich mit Kulturen zu tun haben, die über Ausschlussmechanismen verfügen, genau wie die Religionen, und dass Meinungsverschiedenheiten nicht immer, wie man es laut den Prinzipien der Aufklärung tun sollte, durch einen Ausstausch von Argumenten gelöst werden, sondern eben mittels kulturellen Ausschlussverfahren.
Wenigstens gibt es bei uns eine höhere Toleranz, das muss man auch sagen. Der säkulare Humanismus ist eine vergleichsweise offene Kultur, insgesamt gesehen. Umso wichtiger, auf dieses Problem hinzuweisen und vor den Konsequenzen zu warnen, welche diese Gehirnviren, diese kulturellen Meme, auch bei uns anrichten können.
Pat Condell über Mimosen
Kaum zu glauben, dass jemand diesen Witz beleidigend finden könnte:
Ein Ire sitzt in einer Kneipe mit einem leeren Bierglas. Jemand fragt ihn, ob er noch eines möchte. Er antwortet: „Was soll ich denn mit einem weiteren leeren Glas?“
Das ist offenbar die englische Version unserer Ostfriesenwitze, also Witze über die Dummheit von Iren. Jemand hat gegen denjenigen geklagt, der den Witz in Kent, England bei einer öffentlichen Veranstaltung erzählt hat. Der beleidigte Ire bekam mehrere tausend Pfund Entschädigung wegen diesem „Verbrechen aus Hass“!
Quelle: Spectator
Komplett irre.
Mein Erweckungserlebnis
Ich lese gerade ein weiteres Buch über Evangelikale und vor allem die Erweckungserlebnisse der „wiedergeborenen Christen“ haben mich fassungslos zurückgelassen. Fassungslos angesichts einer so bereitwilligen Kapitulation gegenüber emotionaler Exaltation in besonders angespannen Lebenslagen; willkürlich interpretierte Hochgefühle verändern das Leben von Menschen, aber nur von Menschen, die ihren Verstand noch niemals benutzt haben.
Diese über die Maßen peinlichen Erweckungserlebnisse erzählen sie jedem, der sie hören will, und allen, die sie nicht hören wollen. Da solche Geschichten offenbar sehr überzeugend sind, habe ich im folgenden atheistische Versionen von einem Erweckungserlebnis und von einer Bekehrung am Sterbebett geschrieben. Was die können, kann ich schon lange!
Mein Erweckungserlebnis
Ich war einst ein schlimmer Sünder; ein Christ, der gegen Homosexuelle, Ungläubige und Abtreibung wetterte. Bis ich eines Tages wiedergeboren wurde.
Es war eine einsame, tiefschwarze Nacht. Der Regen strömte auf meine Windschutzscheibe, als ich vom Christian Rock Festival nach Hause fuhr. Ich machte mir Sorgen, ob mein neuer „Jesus ist super“-Sticker abgewaschen werden könnte, als auf einmal mein Wagen stehenblieb. Er ließ sich nicht wieder starten. Ich zog mir eine Mütze auf und verließ das Auto, es donnerte.
Ich klappte die Motorhaube auf und suchte mit meiner Taschenlampe nach dem Fehler. Auf einmal flackerte die Lampe und ging aus. Ich sah nichts mehr. Da donnerte es wieder und ein greller Blitz erhellte ein Plakat am Straßenrand. Es warb für den „Gotteswahn“ von Richard Dawkins. In diesem Augenblick sprang mein Auto wieder an.
Da wusste ich: Gott wollte mir etwas sagen. Er wollte mir sagen, dass er nur eine Wahnvorstellung in den Köpfen der Gläubigen ist, ein Gotteswahn. Dieses Erlebnis veränderte alles für mich. Schon am nächsten Tag besorgte ich mir Bücher über Wissenschaft und Philosophie, eine neue Welt tauchte auf am Horizont!
Heute bin ich Atheist.
Danke, Richard Dawkins!
Die Bekehrung am Sterbebett
Mein Vater war stets ein gläubiger Mann gewesen und auch in seinen letzten Stunden sollte ihm dieser Glaube Trost spenden, glaubte ich wenigstens. Doch wie erstaunt war ich, als er mich zu sich rief, und wir unser letztes Gespräch führten:
„Mein Sohn!“
„Vater! Soll ich den Pfarrer rufen?“
„Bloß nicht! Es ist eine Tragödie. Mein Leben habe ich dem Herrn geopfert und ich habe mir nicht einmal ernsthaft angehört, was seine Kritiker sagen. Erst die letzten Wochen habe ich ihre Bücher gelesen, um in Zeiten größter Pein die Stärke meines Glaubens unter Beweis zu stellen. Stattdessen wurde mir langsam klar: Sie haben recht, es gibt keinen Gott!“
„Aber Vater!“
„Warte, Sohn! Mein Leben habe ich verschwendet mit der Ideologie eines Wüstenvolkes, das nichts wusste über die Welt! Erst jetzt bin ich frei, jetzt, wo ich fühle, wie mich die Lebensgeister verlassen. Mit meinen letzten Worten bekenne ich: Ich leugne den Heiligen Geist, ich leugne Gott und ich leugne seinen Sohn! Lieber zerfalle ich tausendmal zu Staub, als dass ich die Phantome dunkler Zeiten um Gnade anflehe!
Nein. Mein Sohn, nicht der Sohn Gottes, mein Sohn, du sollst mein letzter Gedanke sein!“
Und so umarmte ich meinen Vater. Er war jetzt in einer besseren Welt. Dann starb er.
Penn & Teller über Impfgegner
Führen Impfstoffe zu Autismus? Nein. Das war einfach. Wenn die Gegenseite keine Belege bringt, können wir die Beine hochlegen.
Penn & Teller, Amerikas TV-Skeptiker, machen es sich nicht ganz so einfach und sehen sich die Behauptungen von Impfgegnern wissenschaftlich und mit ihrem typischen Sarkasmus näher an:
Die Welt von Rhonda Byrne
Aufklärer haben vor allem mit sich selbst zu kämpfen. Stetig sind wir bedroht vom Nihilismus, ich beobachte es immer wieder, natürlich auch bei mir selbst (ach, wirklich?). Unsere Arbeit erfordet ein gewisses Vertrauen in die Menschheit, oder wenigstens in ihr Potenzial. Doch immer wieder passieren Dinge, die uns an der Welt verzweifeln lassen, sei es der zweite Weltkrieg oder der unglaubliche Erfolg der Bücher von Rhonda Byrne. 19 Millionen Exemplare hat sie von ihrem „The Secret“ verkauft.
Nach „The Secret“ (siehe meine Amazon-Rezension) kommt jetzt ein neues Buch von Byrne heraus namens „The Power“. Es ist noch verrückter als „The Secret“ (das geht – ich wollte es auch erst nicht glauben). Und es steht weit oben in den Vorverkaufslisten.
Der Hauptcharakter in Martin Walsers Klassiker „Ein fliehendes Pferd“ nennt seinen liebsten Seinszustand: einfach dazuliegen und zu schwitzen. Er möchte eigentlich tot sein, er ist mit dem Leben am Ende, er lebt aber noch. „Er träumte, er drehe sich in seinem Sarg um und habe trotz der vollkommenen Dunkelheit den Eindruck, dass eine Sargwand fehle.“ Etwas fehlt noch, aber nicht mehr viel. So erging es mir nach dem Lektüre der Rezension zu „The Power“ von Jerry Adler, die Sam Harris gerade empfohlen hat.
Rhona Byrne hat sich vor ein paar Jahren ein neues Naturgesetz ausgedacht, ein großes: „Das Gesetz, das die gesamte Ordnung des Universums bestimmt, jeden Moment deines Lebens und jedes einzelne Ding, das du erlebst.“ Hat Byrne die Weltformel entdeckt? Sieht so aus. Da können die Physiker, die weltweit daran arbeiten, im Grunde einpacken.
Im Gegensatz zu den anderen Naturgesetzen lässt sich mit diesem ganz leicht Geld verdienen. Man kann alles haben, was man möchte, von Parkplätzen über Heilmittel für seltene Krankheiten, indem man es sich einfach wünscht und so tut, als hätte man es schon. Das ist „The Secret“ und typisch für Esoteriker brauchen sie ein paar hundert Seiten, um eine simple Tatsachenbehauptung aufzustellen, die falsch ist.
Anziehungsgesetz 2.0
Und jetzt kommt das Update dieses Naturgesetzes. In „The Power“ weist Rhonda auf eine weithin missachtete Tugend hin: Wir müssen nett sein zu unserem Wasser. Sie meint das nicht metaphorisch. Forscher in vielen Ländern, schreibt sie, „haben entdeckt, dass wenn man Wasser positiven Wörtern aussetzt und Gefühlen wie Liebe und Dankbarkeit, dann nimmt der Energielevel des Wassers nicht nur zu, sondern die Struktur des Wassers verändert sich, sie machen die Struktur völlig harmonisch… Wenn das Wasser negativen Emotionen ausgesetzt ist, wie Hass, dann verringert sich der Energielevel des Wassers und chaotische Veränderungen treten ein. Denn „das Innere deines Kopfes ist 80% Wasser“, da schaust du mal, wie wichtig es ist.
Die Leute glauben ja schon sowas ähnliches, sonst würden sie nicht zum Homöopathen gehen. Insofern dürfte sich „The Force“ wieder sehr gut verkaufen. Aber nicht nur das sensible Wässerchen ist neu.
The Power of Love
„The Power“, also „Die Macht“, ist die Macht der Liebe. Was du an Liebe gibst, das gibt dir das Universum zurück, indem es dir deine Wünsche erfüllt. Bestenfalls könnte man darunter soziale Gegenseitigkeit verstehen, dass andere Menschen dich dafür belohnen, wenn du ihnen Liebe entgegenbringst, oder wenigstens halbwegs anständig bist. Das ist gewiss der Fall, und man ob das „Karma“ nennt oder „Die Macht der Liebe“ ist mir im Grunde egal.
Aber Byrne lässt uns nicht die Möglichkeit, ihre Idee so großzügig auszulegen. Nein, es sind nicht die Menschen, die du liebst, die im Gegenzug gut zu dir sind. Es ist, im wörtlichen Sinne, „das Universum“. Die Macht der Liebe ist eine physische Eigenschaft des Universums, so ähnlich wie die Gravitation.
Auch das könnte ich – eigentlich nicht mehr akzeptieren. Aber es ist wenigstens nicht unethisch, sondern einfach nur falsch und absurd. Wenn Rhondas Buch die Leute dazu bringt, mehr Liebe und Dankbarkeit zu zeigen, dann kann man trotzdem auch mit ihrem Fantasie-Naturgesetz leben.
Wie schauen eigentlich die Belege aus für die Macht der Liebe, die Byrne anführt? Sie nennt zum Beispiel einen neuen Rock, den sie in Paris bewunderte und der dann durch ein Wunder in einem Schaufensterladen in der Nähe ihres Hauses aufgetaucht sei. Sie nennt außerdem ein Pferd, das „eine Frau“ haben wollte und das sie dann in der Lotterie gewonnen hat. Eine höhere Steuerrückzahlung. Ein Parkplatz in der Nähe der Tür des Supermarktes.
Wie wäre es mit dem Ende aller Kriege, einem Heilmittel für Krebs, mit dem Ende aller Hungersnöte? Warum denkt Rhonda nicht an so etwas?
Wie ich in der Rezension zu „The Secret“ geschrieben habe: „Wenn Reichtum und Armut nur das Ergebnis von Gedanken sind, dann muss es sich bei den armen Kindern in Afrika um beachtliche Miesepeter handeln, die selbst für ihr Schicksal verantwortlich sind. Und die Opfer von Ausschwitz haben sich dieser Logik zufolge gewünscht, vergast und verbrannt zu werden.“
Alles bezieht sich nur auf mich!
Byrne wünscht allem und jedem die ganze Zeit über „Liebe“ und „Dankbarkeit“, in der Tat hat es ihr ja scheinbar viel gebracht. Aber was so uneigennützig klingt, ist eher das Gegenteil: „Was das Anziehungsgesetz angeht, gibt es auf der Welt nur eine Person – dich! Es gibt nur dich, denn das Anziehungsgesetz antwortet auf deine Gefühle! Nur, was du gibst, zählt.“
Und jetzt wird es richtig gruselig: „Menschen wurden früher viele hundert Jahre alt“, schreibt sie und beruft sich auf „alte Texte“ als Autorität. „Also, was ist geschehen? Die Leute haben das verändert, woran sie glaubten.“ Auch der Tod wird vom Anziehungsgesetz bestimmt. Wer sich wünscht, dass er ein paar hundert Jahre alt wird, der wird das auch. Wir werden sehen, ob es dem Dalai Lama gelingen wird, der ist mit einem ähnlichen Projekt beschäftigt. Schade, dass die verhungernden Kinder in der dritten Welt eine so miese Einstellung haben und gar nicht lange leben wollen.
Und jetzt wird es noch gruseliger, wenn Byrne schreibt: „Wann immer ich etwas höre, selbst wenn es Wörter aus einer Unterhaltung von zwei Fremden sind, die in meiner Nähe stehen, wenn ich ihre Wörter hören kann, dann haben ihre Wörter eine Bedeutung für mein Leben. Ihre Wörter sind eine Botschaft für mich, sind relevant für mich, geben mir eine Rückmeldung auf mein Leben. Wenn ich reise und mir ein Schild auffällt und ich die Wörter lese, dann haben diese Wörter eine Bedeutung für mich.“
Es gibt einen psychologischen Fachbegriff namens „Beziehungswahn“, dabei handelt es sich um das Symptom einer Psychose.
Der Psychologe Karl C. Mayer definiert „Beziehungswahn“ wie folgt:
Beziehungswahn
Im Vordergrund steht hier die wahnhafte Eigenbeziehung, in der Menschen und Dinge der Umwelt in abnormem Bedeutungsbewusstsein auf den Kranken selbst bezogen werden. Bedeutungs- oder zusammenhangslosen Bemerkungen und Handlungen anderer, aber auch große Ereignisse, wird mit wahnhafter Gewissheit eine persönliche Bedeutung im Sinne eines Bezugs zum Betroffenen gegeben. Der Betroffene steht quasi im Zentrum der Welt, die ganze Welt interessiert sich für ihn, alle Geheimdienste haben Zeit nur ihn zu überwachen. Die Kranken sind der festen Überzeugung, dass Ereignisse in ihrer Umwelt, die sich in Wirklichkeit nicht auf sie beziehen, für sie eine bestimmte Bedeutung haben.
Das Gespräch anderer Menschen bezieht der an einem Beziehungswahn Leidende auf sich, (z.B. er hört das Wort „voll“ und ist der Überzeugung andere halten ihn für betrunken. Ein Zeitungsbericht über das Theaterstück in dem der Betroffene war ist nur geschrieben worden um ihm etwas zu sagen. Dass im Kaufhaus eine bestimmte Musik gespielt wird, soll ihm eine wichtige Botschaft übermitteln. Im Radio wird nur noch über ihn gesprochen. Der Kranke fühlt sich im Mittelpunkt der gezielten Aufmerksamkeit seiner Umwelt, selbst aus völlig unbedeutenden Ereignissen entnimmt er mit unerschütterlicher Gewissheit Signale, die ihn in ganz besonderer Weise angehen. Der Beziehungswahn kann isoliert vorkommen oder auch als Unter- und Hintergrund für andere Wahnformen, besonders für den Verfolgungswahn, Größenwahn, dann nur die jeweilige Wahnform markieren.







