Albert Einstein:
Only two things are infinite, the universe and human stupidity, and I'm not sure about the former.
(zum Sprucharchiv)
Aufklärung 2.0
Geheimnisse des Menschen
…sind keine Geheimnisse für uns! Zumindest ein paar davon werden auch diesmal wieder gelüftet. Was motiviert einige Philosophen, die Evolution zu bezweifeln? Benutzen wir tatsächlich nur 10% unseres Gehirns? Kann man die politische Weltanschauung am Gesicht erkennen? Und warum verprügelt niemand Borat? Finden Sie es heraus:
Süßes Kätzchen
Lieber Gott, bitte mach, dass alle sterben. Amen. (Cartoon: ImagePoop.com)
Ist sie nicht lieb? Weil dieser Beitrag sonst zu inhaltlos wäre, gibt es hier noch ein paar äußerst rare Lieder von Anti-Flag, die echt gut sind:
De Maizière kommt verärgerten Mafiosi entgegen
Die Islamkonferenz ist so ein gigantischer Schrotthaufen, dass die größte Schrottpresse der Welt zehn Jahre bräuchte, um sie zu verschrotten. Jetzt hat Innenminister Thomas de Maizière die Islamistenorganisation Milli Görus rausgeworfen, weil wegen Steuerhinterziehung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche gegen sie ermittelt wird (siehe Zeit) – außerdem gilt Milli Görus als “islamisch extremistisch”, was für Amtsvorgänger Schäuble nicht Grund genug war, sie rauszuwerfen.
Und jetzt sind die anderen Organisationen beleidigt.
De Maizière wollte nämlich auch den Islamrat nicht mehr einladen, weil wegen Steuerhinterziehung gegen ihn ermittelt wird. Um die anwesenden Organisationen zu trösten, bat er dem Islamrat dennoch eine “ruhende Mitgliedschaft” an, aber nun ist er schon gekränkt. So nicht!
Die Islamkonferenz wird immer mehr zur Mafiakonferenz.
Der gute Luigi, der immer brav deutsche Mitglieder der Konferenz in Salzsäure aufgelöst hat, wann immer sie mit ihren Schutzzahlungen nicht nachkamen, ja selbst der gute Luigi soll nicht mehr an der Mafiakonferenz unserer Regierung teilnehmen dürfen. “Was soll ich Mutti sagen?”, weinte Luigi bei der letzten Sitzung, die er besuchen durfte. “Nur für sie habe ich Schäubles kleinen Bruder im Meer versenkt. Sie war so stolz auf mich. Und nun soll ich mich um niemandem mehr ‘kümmern’ dürfen bei der Mafiakonferenz?”
De Maizière versichterte den anderen Mafiaorganisationen, dass der Ausschluss der “Familia” nichts mit ihnen zu tun habe: “Das war eine reine Formalität. Es war einfach ein Verstoß gegen die Hausordnung, als Luigi die Hand meines Amtsvorgängers in den Aktenvernichter steckte.”
Doch die anderen Mafiaorganisationen fühlen sich in ihrer Ehre verletzt.
“Don Vito ist nicht erfreut”, stellte der Boss eines führenden Camorra-Clans fest, der sich extra in Deutschland niedergelassen hatte, um die Mafiakonferenz zu besuchen.
Al Capone verwies auf seinen gekränkten Nationalstolz: “Ich glaube an Deutschland. Ich bin in Deutschland reich geworden.”
Und Frank Costello lässt sich kein zweites Mal zur Mafiakonferenz bitten. “Er fragt nicht um einen zweiten Gefallen, wenn ihm der erste verweigert wird”, sagte sein treuester Schläger über ihn.
Die Mafiakonferenz hat sich als Ziel gesetzt, führende Mafiosi besser in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. “Dabei sind viele Kompromisse nötig”, erklärte de Maizière gegenüber der Zeit. “Man kann sie nicht jedes Mal zur Ordnung rufen, wenn sie einen Abgeordneten oder einen Journalisten in Salzsäure auflösen. Aber wenn es zu sehr die Tagesordnung stört, dann ermahne ich auch einmal zur Mäßigung.”
Don Vito spricht sich vor allem gegen das neue Verbot aus, denjenigen, der gerade spricht, nicht ermorden zu dürfen: “Wenn uns die Geschichte eins gezeigt hat, dann, dass man jeden umbringen kann!”
Costello verglich den Rauswurf der “Familia” mit einem Erlebnis aus seiner eigenen Biografie: “Einmal kam Mama nachts an mein Bett und sagte ‘Du bist nicht mein Sohn, Zigeuner haben Dich auf der Türschwelle ausgesetzt.’ So werden wir in Deutschland behandelt. Uns wird gesagt: Ihr gehört hier nicht her. Und warum? Nur weil wir Steuern hinterziehen und Geld waschen? Zeigt mir einen deutschen Politiker, der kein Konto in Liechtenstein hat. Oder bei uns.”
“Einmal”, so erzählt de Maizière, “Einmal ließ Schäuble Al Capone zu einer Besprechung unter vier Augen rufen, weil Capone sein Wasser vergiftet hatte. Wir hörten nach fünf Minuten einen lauten Schrei, und das störte die Konferenz ja schon etwas. Schließlich lauschten wir in dem Moment den anwesenden Mafiosi, wie sie uns vorwarfen, dass wir alle Nazis sind.”
“Was passiert ist?”, fragt Al Capone die Zeit. “Sie bringen mich in ein Zimmer in dem Wolfgang Schäuble sitzt. Was soll da passieren? Ich hab ihm ins Ohr gebissen.”
De Maizière bat die verbliebenen Mafiaorganisationen darum, sie mögen doch reinen Tisch machen und alle ihre Verbrechen eingestehen, damit sie in Ruhe mit der Konferenz weitermachen können.
“Was soll das für einen Sinn haben, zu beichten, wenn man nichts bereut?”, antwortete Don Vito stellvertretend für die anderen Mafiosi.
Die Natur des Aberglaubens
Ist der Glaube an das Übernatürliche ganz natürlich? Der Psychologe Bruce Hood provoziert Naturalisten mit seiner Hypothese, dass wir von Natur aus abergläubisch wären. In diesem Interview mit dem Evo-Magazin erklärt er, was er meint und warum die Aufklärung noch immer wichtig ist, obwohl sie niemals siegen kann.
Just kill me already!
Everyone’s stupid except Richard. These videos dumbed me down so much I even forgot my own language!
Terry Rotter und der Stein des Anstoßes
(Kostenfreier Download des PDF: Klickt auf das Cover!)
Mein erstes Buch in der Neuauflage – ein echter Klassiker!
(Anm: Das mit Christopher Moor ist nur Herausgeberfiktion, der “Übersetzer” Andreas Müller ist der Autor)
Auszeichnungen
Terry Rotter und der Stein des Anstoßes hat den
Palm Paper Award 2006
als bester Roman gewonnen!
Inhalt
Nach der Ermordung seiner Eltern wird Terry Rotter ausgerechnet bei seinen rechtsradikalen Verwandten in Kreuzberg abgeliefert. Dann muss der Skeptiker auch noch erfahren, dass er ein Zauberer ist. Und schon kurz nach Terrys Ankunft wird die Magische Welt durch einen gewissen Dunklen Lord bedroht. Doch Terry weiß sich zu wehren…
Kritiken
“Im Vergleich zu vielen anderen Parodien haben die Bücher von Andreas Müller einen sehr fesselden Erzähl-Stil und eine durchaus gelungene Story”
Tim Gramberg, Dies und Das
“Geeignet für Leute mit Anspruch und solche, deren Anspruch darin besteht, dringend Aufheiterung zu benötigen.”
Phoinix, resurrection-dead.de
“Das hat wirklich was von Pratchett oder Adams!”
Georg Siebert, Webmaster vom Literaturforum Österreich
“Für alle Freunde guten Humors!”
Martin Geber, Webmaster von Emmaempire.de
“Herrlich!”
Basti, Webmaster von Anti-Flag.de
Cover und Banner
Empfehlung
Wer Terry Rotter mag, sollte sich auch Das Prometheus Trio: Die Invasion besorgen!
Die abergläubische Spezies
Der Psychologe Bruce Hood geht in seinem Buch „SuperSense“ („Übersinn“) der Frage auf die Spur, warum der Glaube an das Übernatürliche trotz Aufklärung noch immer nicht verschwunden ist. Sein Ergebnis: Die Neigung zum Aberglauben ist ein Teil unserer Natur…
Sollte man Sex mit Tintenfischen haben dürfen?
Tintenfisch aus dem Film "Oktapodi" (http://www.oktapodi.com)
In England besaß ein Mann namens Andrew Charles Dymond ein Foto von jemandem, der Sex mit einem toten Tintenfisch hatte. Ich wusste bislang nicht, dass so etwas überhaupt möglich ist, aber bitte. Auf jeden Fall wurde Dymond dafür verhaftet – auf Basis einer völlig behämmerten Argumentation.
Wie ihr euch denken könnt, ist P.Z. Myers auf den Fall aufmerksam geworden, weil Tintenfische seine Markentiere sind. Ich schließe mich seiner Argumentation an.
Der Mann wurde verhaftet, weil er Fotos von Menschen besaß, die Sex mit einem toten Tintenfisch, oder mit Hunden und Pferden hatten. Dymond muss sich gegen 25 Pornografie-Anklagepunkte wehren.
Laut thisissouthwales.co.uk lautete die Klage mit Bezug auf den Tintenfisch darauf, dass das Foto jemanden zeige, der “einen Akt des Sexualverkehrs mit einem toten Tier hat, nämlich einer Krake/Tintenfisch, was äußerst beleidigend, ekelerregend oder anderweitig von obszönem Charakter war.”
Was für ein Quatsch. Man kann doch niemanden rechtlich belangen, nur weil die Kläger ein Foto ekelhaft finden. Ich finde Sex zwischen alten oder fetten Leuten ekelhaft, aber verbiete ich ihnen darum, Fotos davon zu schießen? Nein! Ich finde auch Bilder von kleinen Tintenfischen ekelhaft, die man in Restaurants essen kann, aber verbiete ich darum die Bilder auf der Speisekarte?
Aus ethischer Sicht ist hier nichts zu beanstanden, insofern die Person den Tintenfisch nicht getötet hat, um Sex damit zu haben. Generell ist gegen Sex mit Tieren nichts zu sagen, wenn die Tiere dabei nicht zu Schaden kommen und wenn sie nicht jemand anderem gehören (wenn die Menschen dabei zu Schaden kommen, sind sie selbst schuld).
Laut Klageschrift hatte der Mann außerdem Bilder, die “einen Akt zeigen, der zu schweren Schäden an der Brust einer Person führen würde”.
Wen interessiert denn das? Wenn jemand auf eine Weise Sex mit Tieren haben möchte, welche die Brüste dieser Person beschädigen könnten, warum sollte ein Gericht das Recht haben, diese Person dafür zu bestrafen, dass sie so etwas tut oder fotografiert oder ein Foto davon besitzt? Es gibt auch Frauen, die sich die Brüste piercen lassen, wobei eine ernsthafte Infektionsgefahr besteht. Sollte man darum Bilder von gepiercten Brüsten verbieten?
Der Mann soll außerdem 14 “anstößige” Fotos von Kindern besitzen. Ich weiß nicht, was das heißen soll, aber angesichts der restlichen Anklage wird es sich wahrscheinlich nicht um Kinderpornografie handeln. Stattdessen vermute ich, dass er seine Kinder beim Baden fotografiert hat oder etwas in der Richtung. In den USA wurde jemand von einem Kaufhausdetektiven rausgeworfen und er musste ihm den Film aushändigen, weil er sein eigenes Kind fotografiert hat, wie es auf einem Schaukelpferd sitzt. Ich denke, es ist klar, wer hier die größeren Probleme mit Sexualität hat.
Das britische Gesetz gegen diese Tiersexbilder (in Deutschland ist die Verbreitung von Tier-Pornos ebenfalls strafbar) “klingt wie ein albernes Gesetz, um die eigene Überempfindlichkeit mancher Leute durchzusetzen und nicht um die Öffentlichkeit zu schützen”, wie P.Z. Myers korrekt feststellt.
Ich weiß nicht genau, ob “Der Traum einer Fischersfrau”, ein alter japanischer Holzschnitt mit einer Frau, die Sex mit einem Tintenfisch hat, legal ist. Aber bei Wikipedia kann man sich das Bild einfach ansehen.
Man fragt sich schon, warum die Sitten-Taliban noch so einen großen Einfluss hat auf unsere Gesetzgebung.
Der Preis für Zivilcourage
Philip Hill, Sänger der Punk-Band Teen Idols, muss nun den Preis für sein engagiertes Eintreten für die Schwachen bezahlen und zwar in Form seiner horrenden Krankenhausrechnung. 15% der US-Amerikaner sind nicht krankenversichert und Philip ist einer davon.
Der Vorfall wird bei Motor.de wie folgt beschrieben:
Auf einem Parkplatz wurde Hill Zeuge eines Überfalls auf eine Frau und eilte zu Hilfe, um den Angriff von vier Männern abzuwehren. Die Frau blieb Dank des raschen Einschreitens des Musikers unversehrt, Hill hingegen bekam die gesamte Aggression der Angreifer allein zu spüren. Diese gingen körperlich massiv vor und traten noch auf dem Boden auf ihn ein. Die Tritte hatten vier Rippenbrüche und einen Kollaps des rechten Lungeflügels zur Folge. Weiterhin fügten sie ihrem Opfer mit einem abgerissenen Auto-Seitenspiegel Verletzungen im Gesicht zu.
Philip hat weder Anspruch auf staatliche Hilfe, noch hat er eine private Krankenversicherung. Sein Freund Mass Giorgini von der Punk-Band Screeching Weasel sammelt nun Geld für ihn. Über Philip sagte er:
Er würde niemals selbst nach Hilfe fragen, denn er kann es nicht ertragen, Leuten zur Last zu fallen. Aber Obama’s Versicherungsplan wurde noch nicht durchgesetzt, also gibt es auch keine staatliche Absicherung in Fällen wie Philips
So viel übrigens zu den Vorurteilen gegenüber Punks, von wegen Schmarotzer. Auf jeden Fall kann es nicht angehen, dass Zivilcourage mit gebrochenen Rippen und einer hohen Rechnung belohnt wird. Heldentum muss gefördert werden und nicht bestraft.
Wer Philip Hill unterstützen möchte, kann dies via PayPal über die Mail-Adresse:
helpphilliphill@gmail.com
tun. Und zu allem Überfluss geschah das kurz nach der Wiedervereinigung der Band. Ich möchte sie wieder in alter Form sehen, ihre Musik gehört nämlich zum Besten im Pop-Punk-Bereich.
Mooney hat seine Seele verkauft
…und zwar an die Templeton-Stiftung. Die Wissenschafts-journalisten Chris Mooney und Sheril Kirshenbaum, selbst Atheisten, betreiben den Blog The Intersection. In ihrem Buch Unscientific America machen sie die „Neuen Atheisten“ (Dawkins, Harris, Hitchens, etc.) für die Wissenschaftsfeindlichkeit in den USA verantwortlich.
Zwar ist der Neue Atheismus viel jünger als die seit Jahrzehnten unveränderte „Wissenschaftsfeindlichkeit“ – oder vielmehr Unwissenheit – breiter Bevölkerungsschichten, aber wer das Gegenteil behauptet, bekommt nicht nur Geld von Templeton, sondern er bekommt auch noch eine halbe Stunde Sendezeit als Moderator von Point of Inquiry, dem einflussreichen Podcast der großen säkular-humanistischen Organisation Center for Inquiry. Mooneys Thema dort: „Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit“. Wie kommt das? Weil die Neuen Atheisten selbst in den eigenen Reihen als Unheilsbringer dämonisiert und als Sündenböcke missbraucht werden.
Die USA ist Umfragen zufolge eigentlich nicht wissenschaftsfeindlich, sondern überaus wissenschaftsfreundlich. Das Problem besteht vielmehr darin, dass gläubige Amerikaner keinen Konflikt zwischen ihrem Glauben und der Wissenschaft erkennen können und im Zweifelsfall ihrem Glauben Vorrang geben würden.
Die Neuen Atheisten kommen hier ins Spiel, indem sie auf die Unvereinbarkeiten zwischen bestimmten religiösen Behauptungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden hinweisen. Oberflächlich betrachtet könnten sie damit die Zustimmung zur Wissenschaft untergraben. Aber das ist insofern ziemlich egal, weil viele Gläubige der Wissenschaft offenbar nur darum zustimmen, weil sie diese inhaltlich gar nicht verstehen. Sie bestätigen lediglich eine kulturelle Erwartungshaltung (die USA ist das einzige Land, das gezielt auf den Prinzipien der Aufklärung gegründet wurde und viele der Gründerväter waren praktizierende Wissenschaftler).
Die Templeton-Stiftung ist eine sehr wohlhabende Organisation, die Wissenschaftler und Journalisten finanziell fördert, wenn sie Wissenschaft und Glaube als vereinbar ausgeben. Chris Mooney bekommt von der Stiftung 15 000 Dollar, wenn er zwei Monate nach Cambridge geht und am Ende ein „Term Paper“ über das Thema schreibt. Es ist offenbar sehr einfach, in das Programm aufgenommen zu werden.
Im Prinzip ist das einfach Bestechung, wie Jerry Coyne betont. Es ist angesichts der hohen Anforderungen für Normalsterbliche äußerst schwierig, nach Cambridge zu kommen, aber wenn man die Wissenschaft nur genügend untergräbt und alte Dogmen lobpreist, bekommt man ein goldenes Ticket und 15 000 Dollar, plus hervorragende Karrierechancen im professionellen Heucheln. Mal sehen, wann es die Templeton-Lehre in die Schulbücher schafft – die Jungferngeburt Marias ist biologisch nämlich durchaus plausibel.
Aber warum ist das relevant? Weil man hier eine der Motivationen von bestimmten Wissenschaftlern erkennen kann, warum sie den Leuten im Fernsehen und anderswo erzählen, wie gut sich doch der Glaube an absurde Dogmen mit der kritischen Methode der Wissenschaft vereinbaren ließe: Entweder sie sind selbst gläubig, haben keine Ahnung, oder wollen Geld (lässt sich auch kombinieren).
Aus der Presseschau vom Evo Magazin…
Kirche missbraucht die ganze Welt
Die katholische Kirche bringt ihre Kinderfick-Worldtour hoffentlich bald zu einem guten Ende. Nach der ersten Etappe, den USA, mit über 10 000 Fällen, ging es weiter ins katholische Irland mit 35 000 Opfern. Aktuell werden Fälle in Deutschland und in den Niederlanden aufgearbeitet. Wer macht das Rennen um die meisten Missbrauchsfälle? Es bleibt auf jeden Fall spannend.
Außerdem: Atheisten haben keine Moral.
Bischof Laun: Mehr katholische Sexualmoral
Der österreichische Bischof Andreas Laun hat die Lösung für den kirchlichen Kindesmissbrauch gefunden, so erfahren wir in seinem Beitrag bei kath.net: „Was wir brauchen, ist nicht weniger katholische Sexualmoral, sondern mehr“. Außerdem sei Bischof Mixa zuzustimmen, wenn er sagt, die sexuelle Revolution habe den Missbrauch „sogar [ge]fördert“. Denn: Die „übersexualisierte Gesellschaft“ sei „auch in die Kirche eingedrungen“ und habe „Christen infiziert“.
Die Gesellschaft ist für Laun also wie ein Virus, der in die geheiligten Hallen der Kirche einbrechen kann. Na, kein Wunder, dass im Umgang mit diesem Virus andere Richtlinien gelten müssen als intern. Die Kirche ist demnach für ihre Probleme gar nicht verantwortlich, sondern die Kritiker der Kirche, die von außen, von der übersexualisierten Gesellschaft. Ebenso sind schließlich die Kritiker von RTL2 für das miese Programm des Senders verantwortlich und nicht die sendereigene Programmgestaltung.
Kein speziell kirchliches Problem?
Bischof Andreas Laun ist im vollen Angriffsmodus: „Dazu kommt die Behauptung“, so beschwert er sich, „von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen wolle die Kirche nur ‚vertuschen.‘“ Die Anführungszeichen sollen uns wohl zu der Akzeptanz des angeblich Faktums verleiten, wie absurd doch die Behauptung wäre, die Kirche wolle irgendwas vertuschen.
Doch die Vertuschungsaktionen der Kirche sind zum Beispiel für Irland umfassend nachgewiesen.
Über die Erzdiözese Dublin ließ der Staat einen umfangreichen Bericht, den Murphy-Bericht, anfertigen. Welt Online fasst das Ergebnis zusammen: „Der in dreijähriger Arbeit zusammengestellte Bericht zeigt, dass mindestens bis in die 90er-Jahre vier frühere Erzbischöfe von Dublin routinemäßig Priester schützten, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. Weiter heißt es, der Erzdiözese sei es beim Umgang mit den Fällen um Geheimhaltung gegangen und darum, einen Skandal zu verhindern und den Ruf der Kirche zu schützen. ‚Alle anderen Erwägungen, darunter das Wohl von Kindern und Gerechtigkeit für Opfer, wurden diesen Prioritäten untergeordnet.‘“ In Irland wurden insgesamt 35 000 Fälle von Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen dokumentiert (Ryan-Bericht). Laut Angaben der American Society of Criminology sind in den USA von 1950 bis 2002 insgesamt 10 667 Fälle registriert.
Die Kirche jedoch sieht bei sich keinen Fehler, so lehnte Bischof Zollitsch sogar einen von der Bundesjustizministerin vorgeschlagenen Runden Tisch ab, der das Problem behandeln sollte. Der Welt am Sonntag sagte er: „Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche. Es hat weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität, noch mit der katholischen Sexuallehre. Deshalb brauchen wir auch keinen Runden Tisch speziell für die katholische Kirche.“
Gegen kirchliche Parallelgesellschaften
Dem würde ich in gewisser Hinsicht sogar zustimmen. Wir brauchen keinen Runden Tisch, sondern eine umfangreiche Strafverfolgung durch die Behörden. Die Kirche sollte nicht mehr frei atmen können angesichts all der Razzien, wie sie bislang nur im Kloster Ettal durchgeführt wurden. Außerdem muss die gesonderte Gerichtsbarkeit der Kirche aufgehoben werden. Es kann nicht angehen, dass religiöse Parallelgesellschaften offiziell ihre eigenen Gesetze und Gerichte haben dürfen, wie das bei Staatskirchenrechtlichen Körperschaften des öffentlichen Rechts wie eben den beiden Großkirchen jedoch in Deutschland der Fall ist. Diese sind nicht grundrechtsverpflichtet, sondern nur grundrechtsberechtigt.
Das Kirchenrecht gilt teils offiziell anstelle des staatlichen Rechts. Dem Staat ist obendrein eine Rechtsaufsicht verwehrt. In kirchlichen Unternehmen gibt es kein Streikrecht und die Löhne befinden sich laut ver.di bis zu 30% unter denen im öffentlichen Dienst, wogegen aber niemand etwas tun kann. Würde eine islamistische Organisation die Privilegien der Kirchen bewilligt bekommen, hätte sie eine gute Verhandlungsbasis, um die Scharia einzuführen und Frauen zu steinigen. Inwiefern sich die Kirchen an die geltenden Gesetze halten müssen, ist angesichts des Kirchlichen Selbstbestimmungsrechts nämlich bloße Verhandlungssache zwischen Staat und Kirche.
Klar sollten Kirchen und Vereine ihre internen Angelegenheiten, etwa die Einsetzung von Bischöfen und Pfarrern, selbst regeln dürfen, aber nicht grenzenlos. Zum Beispiel hat die Kirche dieses Recht dazu missbraucht, Pfarrer, die Kinder vergewaltigt haben, einfach zu versetzen. Und momentan gehen die Selbstbestimmungsrechte der Kirchen offensichtlich zu weit.
Was machen wir denn falsch?
Nun fragt Bischof Laun: „Was sollte die Kirche im Sinn der sexuellen Revolution ‚ändern‘? Das Nein zum Ehebruch, das Nein zur homosexuellen Praxis, das Nein zu einem Sexualleben mit wechselnden Partnern, das Nein zur Pornografie?“
Nun… ja! Genau das das sollte die Kirche unter anderem ändern. Offenbar ist Herr Laun der Meinung, eine solche Änderung wäre sehr abwegig. Die Ehe ist ein Vertrag zwischen erwachsenen Menschen, die eine enge Partnerschaft eingehen wollen. Sie können einen Ehebruch wie einen Vertragsbruch bewerten oder sie können sich das Recht einräumen, eine offene Beziehung zu führen. Die Kirche geht das nichts an. Homosexualität ist offensichtlich der Heterosexualität gleichzustellen. Und Pornografie schadet nachweislich niemandem und kommt zustande durch die freie Einwilligung aller Beteiligten, an pornografischen Medien mitzuwirken. Also ist gegen normale Pornografie (bei der Erwachsene freiwillig mitwirken) auch überhaupt nichts zu sagen.
Die für Gott arbeiten
Nun gelangt Bischof Laun zum Kern des Problems: „Um es klar zu sagen: Die Kirche lehrt die Gebote Gottes, sie hat keine Kompetenz, diese zu verändern, weil es Seine Gebote sind, nicht ihre. Und wenn jemand meint, sie hätte diese Gebote, die letztlich im Herzen jedes Menschen zu lesen sind, falsch interpretiert, dann müsste der Betreffende zeigen, dass er die kirchliche Lehre wirklich kennt, alles andere ist nicht seriös.“
Die „Gebote Gottes“ gelten also unabhängig von ihren Folgen für alle Menschen. Das wird die missbrauchten Kinder freuen. Natürlich lehrt die Kirche aber keineswegs die Gebote Gottes. Alleine schon, weil Gott nicht existiert. Aber nehmen wir einmal an, er existierte und er hätte in der Bibel die einzig wahre Sexualmoral festgeschrieben.
In 2. SAMUEL 12, 11f möchte Gott, das Frauen vergewaltigt werden:
„So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, daß er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.“
In 5. Mose 25,12 ordnet Gott an, dass einer Frau, die den Penis eines Mannes berührt, die Hand abgehackt werden soll:
„Wenn zwei Männer gegeneinander handgreiflich werden und des einen Frau läuft hinzu, um ihren Mann zu erretten (…) und sie streckt ihre Hand aus und ergreift ihn bei seiner Scham, so sollst du ihr die Hand abhauen.“
In 3. Mose 20.12 heißt es, dass Homosexuelle zu ermorden wären:
„Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben.“
Lehrt die Kirche das? Bei aller Kritik an der kirchlichen Sexualmoral: Das lehrt sie nicht. Die Kirche lehrt also keineswegs die Gebote Gottes, sondern ihre eigenen, die sie nur als Gottes Gebote ausgibt.
Ein gesamtgesellschaftliches Problem
Bischof Laun wundert sich: „Warum sind nur die katholischen Täter interessant? Was ist mit den anderen und vor allem: Was ist mit allen anderen Opfern anderer als katholischer Täter? Verdienen diese weniger oder gar kein Mitleid?“
„In der Familie sei das Risiko 36 mal größer, dass Kinder und Jugendliche zum Opfer von sexuellem Missbrauch werden als beim Kontakt mit einem katholischen Priester“, betonte Bischof Zollitsch laut der taz.
Diese Zahlen sind höchst zweifelhaft, wie Michael Schmidt-Salomon im hpd erläuterte. Aber selbst wenn es so wäre, so könnte dies daran liegen, dass pädophile Väter und Onkel leichter an Kinder herankommen als familienlose Bischöfe und Priester. Dass jene es trotzdem schaffen, fast täglich mit einem neuen Missbrauchsfall in den Schlagzeilen zu landen, das ist geradezu eine Leistung.
Und wenn es zu Missbrauch in Sportvereinen kommt, welcher Vereinsleiter argumentiert dann: “Das mag ja sein, dass bei uns Kinder vergewaltigt werden, aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das es überall gibt”? Statt Relativierungen und Ausreden würde man doch ein anderes Verhalten von einem Sportverein erwarten. Warum nicht auch von der Kirche?
Was wäre eigentlich, wenn ein atheistischer Verein Kinder missbraucht und den Missbrauch vertuscht hätte? Was würde die Kirche dann sagen? Wäre es dann auch ein gesamtgesellschaftliches Problem?
Atheisten haben keine Moral
Wer erinnert sich noch an die Atheismus-Schelte von Bischof Mixa?
“Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet. Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden”, offenbarte Mixa vor gar nicht langer Zeit. Vielleicht ist Kindesmissbrauch also keineswegs gegen die Würde des Menschen und ich glaube das nur, weil ich als Atheist keine Moral habe?
Ohne “christlichen Glauben” gebe es “dauerhaft keine wahre Menschlichkeit”, sagte Mixa laut der taz. Und mit dem christlichen Glauben gibt es dauerhaft die wahre Menschlichkeit. Wir merken es ja gerade. Wir haben das nur falsch verstanden, was die Kirche unter “Menschlichkeit” versteht. Man kann Menschen auf verschiedene Weise, in ganz verschiedenen Positionen lieben und die Menschenwürde auch von kleinen Kindern achten.
Aufklärung, keine Priester-Jagd
Momentan sehe ich zwar keinerlei Anzeichen in die Richtung, dass Priester grundlos beschuldigt oder von wütenden Mobs attackiert werden könnten, aber ich sage einmal pro forma, dass ich natürlich dagegen wäre. In der Tat gab es in den USA Fälle, wo von Psychoanalytikern falsche Erinnerungen von einem angeblichen Missbrauch in der Kindheit der Patienten konstruiert worden sind. Ein tatsächlicher Missbrauch muss auf jeden Fall nachgewiesen werden. Wie schon gesagt, ist das jedoch in vielen Fällen in kirchlichen Einrichtungen bereits geschehen, und einflussreiche Kirchenfunktionäre reden sich trotzdem noch heraus.
Mal sehen, wie viele Kinder pro Quadratmeter die Kirche am Ende missbraucht hat.
Christen wollen Wal töten
Dümmer geht es nun endgültig nicht mehr: Der Orcawal Tillikum erdrängte in SeaWorld einen jungen Tierpfleger und nun fordern rechte Christen der “American Family Association”, den Wal zu töten. Das erinnert an den Fall von “Mary”, dem Elefanten, der 1916 in Tennessee erhängt wurde.
Damals erfreute sich eine Meute von 2500 Zuschauern am Tod des Elefanten, der auf einen Wärter getreten war. Die AFA fordert, dass man sich im Falle des Orcas Tillikum an die Bibel halten solle, genauer an Exodus 21:28-9:
Wenn ein Ochse einen Mann oder ein Weib stößt, daß sie sterben, so soll man den Ochsen steinigen und sein Fleisch nicht essen; so ist der Herr des Ochsen unschuldig. Ist aber der Ochse zuvor stößig gewesen, und seinem Herrn ist’s angesagt, und hat ihn nicht verwahrt, und er tötet darüber einen Mann oder ein Weib, so soll man den Ochsen steinigen, und sein Herr soll sterben.
In den Worten der “Family”:
Also, wenn dein Tier jemanden tötet, dann ist es deine moralische Verantwortung, das Tier zu töten. [...] Aber die Bibel warnt: Falls eines deiner Tiere ein zweites Mal tötet, weil du es nicht nach seinem ersten menschlichen Opfer getötet hast, dann stirbst du diesmal zusammen mit deinem Tier.
Das klingt schon bedrohlich für jeden, der sich weigert, ein “mordendes” Tier zu töten.
Wir neigen dazu, menschliche Bewusstseinszustände auf Tiere und sogar Objekte zu übertragen. Daher die Idee, Tiere könnten “Morde” begehen, obwohl sie überhaupt kein Verständnis für dieses Konzept haben. Wir können tatsächlich davon ausgehen, dass der Orca in diesem kleinen Becken psychische Probleme entwickelt hat und dass er unter großen Stress stand. Insofern kein Wunder, dass er irgendwann durchgedreht ist. Und bei Mary war das wohl ähnlich. Und das ist die Schuld der Zoo- und Zirkusleitung und nicht die Schuld der Tiere, die gar kein Einsehen in richtig und falsch haben.
Zudem müsste man sich glatt überlegen, wenn man schon menschliche Bewusstseinszustände auf Tiere überträgt, ob die Tiere dann nicht sogar ein Recht hatten, Widerstand gegen ihre Haltung als Sklaven zu leisten.
Bibel gegen Pornos
An der Uni von San Antonio, USA, tauschen Atheisten an einem Büchertisch Bibel, Koran und andere heilige Bücher gegen Pornomagazine aus.
Im evangelikalen “pro”-Medienmagazin erfährt man: “Das Argument der Atheisten: Religiöse Bücher erzählen von Gewalt, Kriegen, rufen zur Misshandlung von Frauen auf und sind deshalb kein bisschen besser als Pornografie.” Wenn das wirklich ihr Argument ist, finde ich das aber schlecht. Pornos sind viel besser als Bücher, die zu Gewalt, Kriegen und zur Misshandlung von Frauen aufrufen. Überhaupt wertet diese Aktion auf unzulässige Weise Pornos ab, wenn sie mit einem solchen Schund wie heiligen Büchern verglichen werden und sogar gegen diese eingetauscht werden.
Meine liebsten Shakespeare-Sonette
Mit Hilfe meiner grenzenlosen Fähigkeit, Logik selbst auf die naheliegensten Fälle anzuwenden, bin ich zu der Schlussfolgerung gelangt, dass es doch sinnvoll wäre, öfter einmal über mein eigenes Fachgebiet zu bloggen anstatt über andere. Beginnen wir meine “Best of hohe Literatur”-Serie also mit William Shakespeare.
Ehrlich gesagt mag ich Shakespeare nicht einmal so sehr (obgleich es eigentlich wenig Sinn ergibt, aus literaturhistorischer Sicht von “mögen” oder “nicht mögen” zu sprechen), wobei ich seinen herausragenden Platz im Kanon ja durchaus anerkenne. Aber weltanschaulich war der Mann – etwa im Gegensatz zu Christopher Marlowe – ein konservativer Christ, der trotz des Skeptizismus in seinen Werken die Ideologie des elizabethanischen Weltbilds immer wieder bestätigte. Die Entwicklungen seiner Zeit, insbesondere das Aufkommen der Wissenschaft, gingen an ihm praktisch vorbei, wann immer er sich nicht offen gegen sie aussprach.
Atheisten und Leute, die nicht an Astrologie glauben, wie Edmund in König Lear, sind in seinen Werken die Bösen. Shakespeare war auch gegen die Gleichberechtigung von Frauen. Einer der Gründe für die apokalyptischen Ereignisse in McBeth ist zum Beispiel, dass der König von seiner Ehefrau dominiert wird. Das geht natürlich gar nicht, also wird der König ermordet, Pferde fressen sich gegenseitig auf, ein Adler wird von einer Eule gefressen – selbstbewusste Frauen zerstören das ganze Weltgefüge!
Seine Kritik an Königen richtet sich nur gegen schlechte Könige, er produzierte sozusagen Fürstenspiegel, welche Könige erziehen und sie vor Fehlern bewahren sollten. Aber Shakespeare war ein Monarchist hoch zehn. Was er von Lust und Vergnügen hielt, sehen wir in einem Ausschnitt aus König Lear:
Here do you keep a hundred knights and squires;
Men so disorder’d, so debosh’d, and bold
That this our court, infected with their manners,
Shows like a riotous inn. Epicurism and lust
Make it more like a tavern or a brothel
Than a grac’d palace.
Hier sehen wir die typische christliche Hetze gegen Epikurismus und erotische Leidenschaft. In Hamlet zeichnet sich der böse, neue König bekanntlich auch dadurch aus, dass er zu viel Spaß hat, dass er zu viel trinkt, feiert und es gerade einen Monat (oh nein…) nach dem Tod des alten Königs mit seiner Frau treibt.
Über Astrologie sagt der böse Skeptiker Edmund aus König Lear:
This is the excellent foppery of the world, that, when we are sick in fortune, often the surfeit of our own behaviour, we make guilty of our disasters the sun, the moon, and the stars; as if we were villains on necessity; fools by heavenly compulsion; knaves, thieves, and treachers by spherical pre-dominance; drunkards, liars, and adulterers by an enforc’d obedience of planetary influence; and all that we are evil in, by a divine thrusting on. An admirable evasion of whore-master man, to lay his goatish disposition to the charge of a star! My father compounded with my mother under the Dragon’s Tail, and my nativity was under Ursa Major, so that it follows I am rough and lecherous. Fut! I should have been that I am, had the maidenliest star in the firmament twinkled on my bastardizing.
Er kritisiert hier die Tendenz, eigene Fehler einfach auf die Sterne zu schieben. Eigentlich ganz vernünftig, aber aus Shakespeares Sicht denken nur böse Leute Schlechtes über den Aberglauben seiner Zeit.
Wie dem auch sei. Shakespeare war ein Stilist erster Ordnung und seine Werke zeugen von einem tieferen Verständnis der menschlichen Natur. Nach dem obligatorischen Genörgle hier also meine Lieblings-Sonette (ein Sonett ist eine Gedichtform, die S. selbst mitprägte) von Shakespeare.
Im Sonett 71 empfiehlt er seiner Geliebten (eigentlich einem jungen Mann, einer literarischen Konstruktion – aber vergessen wir das für den Moment), nach seinem Tod nicht um ihn zu trauern, sondern weiterzuleben und sich des Lebens zu erfreuen, anstelle sich von der Trauer einnehmen zu lassen. Und dazu gehört eine gewaltige persönliche Größe, weshalb dieses Gedicht zu meinen Favoriten zählt. Sonett 130 beschreibt, wie die Geliebte des Sprechers keineswegs an dichterische (petrarkistische) Ideale einer Geliebten heranreicht. Aber gerade darum liebt er sie: Weil sie ein echter Mensch ist und keine Fabrikation von Dichtern. Sonett 130 ist mein liebstes Liebesgedicht. Die deutschen Übersetzungen sind allerdings mäßig, darum gibt es das hier im englischen Original (und hier die Übersetzung als Link).
Auf YouTube gibt es wunderbare Vertonungen der Gedichte. Sonett 130 stammt von Alan Rickman (Severus Snape in den Harry Potter-Filmen)
Sonett 71
Wenn ich einst todt bin, traure nicht, sei froh,
Sobald der Glocke trüber Klang geschwiegen,
Der es der Welt verkündet, daß ich floh
Die schlechte Welt, beim schlechtsten Wurm zu liegen!
Und siehst du jemals diese Zeilen hier,
Gedenke nicht der Hand, die sie geschrieben:
Vergessen lieber will ich sein von dir,
Eh’ dich mein Angedenken soll betrüben.
Ja, wenn ich erst zu Staub zerfallen bin,
Dann rufe dir ein Blick auf diese Zeichen
Auch nicht mehr meinen Namen in den Sinn,
Mit meinem Leib laß deine Lieb’ erbleichen,
Sonst merkt’s die weise Welt, und dann zur Strafe
Schmäht sie dich noch um mich, wenn ich schon schlafe.
Sonett 130
My mistress’ eyes are nothing like the sun;
Coral is far more red, than her lips red:
If snow be white, why then her breasts are dun;
If hairs be wires, black wires grow on her head.
I have seen roses damasked, red and white,
But no such roses see I in her cheeks;
And in some perfumes is there more delight
Than in the breath that from my mistress reeks.
I love to hear her speak, yet well I know
That music hath a far more pleasing sound:
I grant I never saw a goddess go,
My mistress, when she walks, treads on the ground:
And yet by heaven, I think my love as rare,
As any she belied with false compare.
Unsinkbare Universität
Unsichtbare Universität (Scheibenwelt, Screenshot aus dem ersten Adventure)
Tiefgründe Bemerkungen von Professoren und Studenten meiner Universität
1.) Professoren-Zitate
“Dass man ihn anbetet? Nein, ganz so schlimm ist es nicht.”
“Langeweile ist das wichtigste Erzählprinzip Adalbert Stifters.
Es ist eine interessante Langeweile, die sich in seinen Büchern breit macht.
Obwohl sein letzter Roman, der ist so langweilig, dass man ihn gar nicht mehr lesen kann.”
“Da wird halt alles geschrieben, was christlich ist, aber mit Literatur hat das nichts zu tun.”
“Causus, Casi, das klingt vielleicht bescheuert!”
“Philosophen, Literaten und so, wir sind ja der Abschaum dieser Gesellschaft.”
“Damals haben die Leute nichts anderes tun können, als in den Fluss zu springen.”
“Das heißt nicht, dass sie in die Kirche gehen, sondern, dass sie mutig reinschlagen.”
“Sie ist unter die Katholiken gefallen, das erhöht den Horror.”
“Ich meine Rosamunde Pilcher – natürlich ist das scheiße.”
“Was soll das heißen, du willst einen Essay schreiben? Studenten wollen keine Essays schreiben!”
“Lyrik – das ist etwas, das Sie nicht mögen und hier lernen Sie, warum.”
“Ihr werdet feststellen, dass morgen irgend so ein katholischer Feiertag ist.
“Germanistik ist verdammt männlich.”
“Vor dem Hintergrund der absoluten Langeweile macht sich ein Halb-Langweiler nicht schlecht.”
“Der Stoff Schule enthält praktisch immer das Motiv Selbstmord.”
“Von Michel Foucault müsst ihr nur wissen, dass es ihn gab und dass er seltsame Bücher geschrieben hat.”
“Die Theorie hat nur einen Haken: Sie ist scheiße. Man muss immer vorsichtig sein, wenn so ein Faschist eine Theorie aufstellt.”
“Gewiss ist das Christentum ein Erbe unserer Kultur und man sollte… Aber Aufklärung ist einfach wichtiger als das Christentum.”
“Ich weiß nicht, was die Leute immer mit ihrem christlichen Abendland wollen. Das gibt es schon seit 700 Jahren nicht mehr.”
“Man müsste Muslime dazu zwingen, sich Nathan der Weise anzukucken.”
“Sex, das war eigentlich Nietzsches Religion.”
“Das möchte ich mal gerne wissen, was an einem 14-jährigen Dauerwichser so erotisch sein soll.”
“Nächstes Mal schlage ich die anarchistischen Philosophen für die Leseliste vor. Das kommt davon, wenn man nicht auf mich hört.”
“Literatur ist wie Unkraut. Ich glaube, das ist die beste Definition.”
“Wenn in Byrons Werken irgendwas ‘Dreifaltigkeit’ heißt, dann säuft das mindestens ab.”
“In einer Anspielung an die Eucharistie frisst er den Kerl auf.”
2.) Studenten-Zitate
a) Zitate von Anderen:
“Ich komme aus dem Osten, aber ich habe heute Geburtstag!”
b) Zitate von mir:
“Ich studiere Magister – für irgendetwas muss Hartz IV schließlich gut sein.”
“Ich möchte einmal die Fußmatte in einem Taxi werden.”
“Wieso wollen Sie das in ‘Kulturwissenschaft’ umbenennen?
Was soll das sein? Geisteswissenschaft, nur ohne Geist?”
“Magister klingt so ähnlich wie Magier. Das ist mein Hauptgrund, diesen Studiengang zu belegen.”
“Sprachwissenschaft – das ist die Wissenschaft der Geisteswissenschaften…”
“Warum interessieren sich Germanisten nicht für die deutsche Kultur?”
“Jetzt schreien die Künstler wieder rum.”
“Ich habe keine Ahnung – was meinst du, warum ich Germanistik studiere?”
“Alles Kultur hier – einfach zum Kotzen!”
“Geisteswissenschaft ist nur im Geiste Wissenschaft.”
“Hatte Eva einen Bauchnabel? Diese Frage disqualifiziert die menschliche Spezies.”
Alle Zitate sind dem Gedächtnis des Autors entnommen.
Keine Garantie für Korrektheit und Vollständigkeit.
Der Mann der Masse
Edgar Allan Poe: Der Mann in der Menge (Cover des Audiobuchs)
Inspiriert durch E.A. Poes Der Mann in der Menge. Veröffentlicht in Kurzgeschichten Ausgabe 8
Ein sonniger Tag, durchzogen von wenigen kühlen Windstößen. Alle Pflanzen recken sich gen Himmel und offenbaren ihre farbenfrohen Blüten. Die Teiche sind belebter denn je, so finden sich hier die verloren geglaubten Enten wieder ein und auch die Fische erobern ihren Lebensraum zurück. Eine perfekte Kulisse für einen feierabendlichen Besuch.
So fand ich mich mit meinen Freunden und Kollegen hier ein, um über den Sinn und Unsinn des Lebens zu philosophieren. Da sich letzterer allmählich unserer Diskussion behauptete, nahm meine Konzentration allmählich ab. Mein Blick wandte sich einem kleinen Teich zu, in dem sich einige Bierflaschen tummelten. Libellen kreisten über dem Wasser. Ich hörte ein leises Rascheln. Ich folgte dem Geräusch und erblickte einen Mann, der ganz in seine Zeitung vertieft war. Er blätterte eine Seite um.
“Komisch”, dachte ich, “Den kenne ich doch von irgendwoher….” Auf einmal war ich überzeugt, dass ich ihn sogar schon sehr oft gesehen hatte. Immer hier und – immer zu dieser Zeit im Frühling. Gut, die Macht der Gewohnheit. Ich musste schließlich auch immer hier gewesen sein, sonst hätte ich den Mann ja gar nicht erkennen können. Ich redete mir ein, dass diese Sache von kaum einer Bedeutung war und versuchte wieder, dem Gespräch meiner Freunde zu lauschen.
Plötzlich hatte ich einen merkwürdigen Verdacht. War es möglich? Der Mann hatte diese Zeitung doch schon einmal gelesen! Letztes Jahr, genau hier. Aber warum auch nicht? Die Leute haben eben ihre Favoriten. Nachdem der Mann also seine Zeitung zu Ende gelesen hatte, stand er auf und warf sie in den Papierkorb. Er verließ den Park in Richtung Innenstadt und war schon bald hinter einem Heckenwall verschwunden. Doch die Neugier hatte mich gepackt. Ich nahm die Zeitung aus dem Abfalleimer und warf einen Blick auf das Datum: Undenkbar!
Ich war nicht mehr davon abzubringen, herauszufinden, was es mit diesem Mann auf sich hatte. Meine Freunde hielten mich zwar für verrückt, aber ich war zu neugierig auf das Geheimnis, das der Fremde scheinbar verbarg. Schließlich verabschiedeten wir uns und ich machte mich auf, den Unbekannten zu verfolgen.
Ich entdeckte ihn vor einem kleinen Frisörladen. Er musste wohl neu sein, denn zuvor war er mir noch nie aufgefallen. Der Fremde war auf dem Weg in das Geschäftsviertel und niemand außer mir schien ihn weiter zu beachten. Aber warum sollten sie auch? So zogen wir an den Läden vorbei. Gesprächsfetzen erreichten mein Gehör: Frauenstimmen unterhielten sich über Männer, Männerstimmen sprachen über Fußball.
Irgendwann kam er an einem kleinen Café in der Nähe des Bahnhofs an. Ich zögerte einen Moment lang, um mich zu vergewissern, dass er mich nicht gesehen hatte, dann folgte ich ihm hinein. Ich setzte mich an einen Tisch, der sich in einigem Abstand zu seinem befand und beobachtete ihn von dort. Er wechselte einige Worte mit der Bedienung und widmete sich wieder der Lektüre einer Zeitung. Ich lauschte kurz den anderen Gästen an den Nachbartischen: Männer in blauen Anzügen sprachen über Aktien, alte Damen unterhielten sich über das Wetter und über die Jugend. “Die Konstanz des Lebens”, dachte ich. Nach einer Weile brachte man ihm einen Kaffee, den er gemächlich trank. Ich hatte mir auch einen bestellt und tat es ihm gleich. Darauf zahlte er und ging. Auch ich bezahlte und warf kurzerhand einen flüchtigen Blick auf seinen Tisch, auf dem noch jene Zeitung lag: Es war die selbe Ausgabe, die er bereits im Park gelesen hatte. Die selbe Ausgabe.
Dieses Ereignis hatte meine Neugier gesteigert und ich entschied mich, ihn weiterhin zu verfolgen. Er lief zu einem Telefonhäuschen und rief jemanden an. Ich hatte mich hinter einem Baum versteckt, von wo aus ich sein Gespräch leider nicht hören konnte.
Stattdessen beobachtete ich meine Umgebung: Die Leute auf dem Gehweg neben der Straße. Eine junge Frau. Sie bahnt sich ihren Weg durch die Massen. Ein Mann läuft ihr hinterher. Einige weitere Menschen schließen sich dieser Schlange an und nun bewegen sich alle Menschen auf der linken Seite des Bürgersteigs in eine Richtung. Die Leute auf der rechten Seite reagieren darauf und benutzen den entgegengesetzten Weg. Kurze Zeit später machte sich der Mann wieder auf den Weg.
Wir kamen am großen Parkplatz vor dem städtischen Naturkundemuseum an, wo er sein Auto abgestellt hatte. Das verwunderte mich etwas, da mein Wagen ganz in der Nähe stand. Aber das konnte auch nur ein Zufall sein, schließlich war es ein sehr großer, weithin bekannter Parkplatz.
Ich fuhr ihm hinterher, bis wir an einem chinesischen Restaurant ankamen. Es war inzwischen Abend geworden. Dort traf er sich mit einer Frau. Sie war es wahrscheinlich, mit der er kurz zuvor telefoniert hatte. Ich setzte mich an einen Tisch, der ausreichend von dem des Paares entfernt war. Er verfasste seine Bestellung. Darauf sie. Dann holte sich der Mann noch eine Zeitung, die er sich mit seiner Freundin beim Lesen teilte. Mir fiel auf, dass ich eigentlich nicht wusste, wer sie war. Vielleicht war es ja auch seine Schwester? Ihr Verhalten ließ beide Schlüsse zu. Die Bedienung musste an mir vorbeilaufen, um dem Paar ihre Bestellung bringen zu können, da sich die Küche hinter mir befand. Ich sah daher, was sie bestellt hatten. Der Ober stellte die Peking-Ente an den Platz der Frau und das Hähnchen süß-sauer an den Platz des Mannes.
Als sie das Restaurant später verließen, wollte ich meinen Verdacht überprüfen. Und ich hatte recht: Es war wieder die selbe Ausgabe der selben Zeitung, die er bereits zweimal, wenn nicht öfter, an diesem Tag gelesen hatte. Ich folgte ihnen noch bis zu einem Mietsgebäude, das sie betraten und fuhr dann selbst nach Hause.
Ich konnte diese Geschehnisse einfach nicht verstehen, so sehr ich mir auch den Kopf darüber zerbrach. Als ich es schon aufgeben wollte, kam ich plötzlich auf eine Idee: Ich würde am nächsten Tag so genau wie möglich den Tagesablauf jenes Mannes nachahmen, vielleicht erschloss sich mir dann sein Geheimnis.
Nachdem ich im Park die aktuelle Ausgabe jener Zeitung gelesen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Café am Bahnhof, bestellte dort wiederum einen Kaffee und las die Zeitung. Ich zahlte und machte mich auf den Weg zur Telefonzelle. Dummerweise hatte ich keine Freundin, also rief ich einfach das Mädchen an, das mir schon seit einer ganzen Weile schöne Augen machte. Ich lief zum Parkplatz am Naturkundemuseum und fuhr dann zu dem chinesischen Restaurant, wo ich mir Hühnchen süß-sauer bestellte und das Mädchen die Peking-Ente. Ich nahm mir außerdem noch betreffende Zeitung.
Moment: Warum hatte sich das Mädchen die Peking-Ente bestellt? War es nur ein Zufall? Sie konnte gar nicht wissen, dass die Frau, die jenen Mann am Vortag begleitet hatte, auch Peking-Ente bestellt hatte. Es musste ein Zufall sein! Doch in der Reflektion meines Glases sah ich etwas, was ich nicht fassen konnte: Einige Tische hinter mir saß der Mann, dem ich am Tage zuvor nachgelaufen war. Die Frau begleitete ihn dieses Mal nicht. Er musste mich schon den ganzen Tag über verfolgt haben.
Schuppis Weihnachten
Es war einmal vor langer Zeit in einem weit entfernten Königreich.
Ein großer roter Drache entfachte ein Feuer. Es loderte auf einem Holzstapel inmitten seiner Höhle.
“Schuppi, wach’ auf!”, sagte er.
Ein kleiner roter Drache erwachte, streckte sich und gähnte.
“Was ist denn los, Mami?”
“Etwas ganz Schlimmes ist geschehen!”
“Beim Feueratem des großen Zippo! Was ist es?”
“Die Menscheneltern haben die Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder noch nicht geliefert bekommen und es ist schon Nikolaus! Sie denken jetzt, böse Kobolde hätten ihre Weihnachtsgeschenke aus dem Weihnachtsland gestohlen!”
“Oh, nein!”
Laut einer Legende beschenkt der Weihnachtsmann alle Kinder dieser Welt. Bis zum Nikolaustag lässt er die Geschenke im Weihnachtsland von seinen freundlichen Arbeitern produzieren. Angeblich zahlen ihm die Schenkenden dafür horrende Preise, aber das ist sicher nicht wahr, denn sonst würde der Weihnachtsmann seine freundlichen Arbeiter höher entlohnen.
“Was kann ich tun?”, wollte Schuppi wissen.
“Du musst unbedingt ins Weihnachtsland gehen und dich erkundigen, ob die Gerüchte wahr sind! Wir wollen doch niemandem Unrecht tun!”
“Natürlich nicht!”
“Hier kriegst du noch einen Kanister Benzin für die lange Reise. Viel Glück!”
“Danke Mami. Auf Wiedersehen!”
“Wiedersehen mein kleiner Flammenwerfer!”
So kam es, dass ein kleiner Drache sich aufmachte, Weihnachten zu retten.
Derweil wurde im Schloss des Königs ein großer Empfang für Prinz Seppl gehalten. Er war von seiner Reise ins ferne Feenland zurückgekehrt, um die Geschenkeproblematik mit seinem Vater zu bereden. Der bedeutenste, reichste und auf engste Weise verwandte Adel wohnte dem Empfang bei. Seppl winkte seinem Vater auf einer Bühne symbolisch mit der Hand und trat näher.
“Servus, mein Alter!”
“Gewöhn dir eine ordentliche Sprache an, Junge!”
Vater und Sohn Monarch setzten sich an den Tisch der engsten Berater, wo auch Wilhelm, des Königs oberster Militär, seine Wenigkeit parkte.
“Es gibt wichtige Dinge zu besprechen: Angeblich wurden die Weihnachtsgeschenke der Menschen von fiesen Kobolden gestohlen!”
Ein empörter Aufschrei machte sich unter den Gästen breit.
Wilhelm, was meinen Sie dazu?”
“Das ist eine komplizierte Situation. Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wir könnten unsere Entscheidungen schnell bereuen. Wir sollten sie alle ausrotten!”
“Seppl, was denkst du?”
“Ja, mei! Des mach ma glatt!”
“Dann ist es entschieden. Informieren Sie ihre Männer, Wilhelm! Wir greifen sofort an!”
Die Gäste jubilierten und warfen ihre goldenen Hüte in die Luft, was sie bereuten, als die Hüte zurückkamen.
Schuppi war nun schon seit Wochen auf der Reise. Weihnachten war nicht mehr lange hin und erst jetzt hatte er das Weihnachtsland gefunden. Dabei war es nur 10 Kilometer vom Schloss entfernt – der König hatte das Kartenzeichnen verboten, da er es als seine alleinige Bürde ansah, den Aufenthaltsort bedeutender Rohstoffe zu kennen. Das Haus des Weihnachtsmannes war eine gewaltige, gläserne Christbaumkugel. Innen war großer Lärm zu hören.
“Wir lassen uns das nicht mehr gefallen, Santa! Nun sind Sie eindeutig zu weit gegangen! Man streicht nicht den freundlichen Arbeitern des Weihnachtsmannes das Weihnachtsgeld!”
Eine tiefe, freundliche Stimme entgegnete: “Wir befinden uns in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Konjunktur zwingt mich zu Einsparungen.”
“Erzählen Sie das ihrer Großmutter!”
Schuppi erreichte die Christbaumkugel und beobachtete, was sich im Innern zutrug: Die freundlichen Arbeiter hatten den Weihnachtsmann umstellt. Ihr Anführer kletterte auf einen Podest neben dem großen Weihnachtsbaum, um eine Rede zu halten.
“Freunde, Arbeiter, Revolutionäre: Unsere Zeit ist gekommen! Nicht eine Sekunde länger werden wir die Autorität dieses Diktators anerkennen! Wir werden die kapitalistische Ausbeutung des Weihnachtsfestes aufhalten! Die Genossen Kinder werden ab sofort nur noch von der Einheitsfront der freundlichen Arbeiter beliefert! Die Fabriken gehören uns!”
Schuppi wollte nun den Krieg gegen die unschuldigen Kobolde verhindern, da sie ja die Geschenke gar nicht geraubt hatten, und lief so schnell wie möglich nach Hause.
“Mami, Mami!”
“Oh, da bist du ja mein Kleiner.”
“Das waren nicht die Kobolde! Die freundlichen Arbeiter machen nun die Arbeit alleine. Sie brauchten nur etwas Zeit, um das dem Weihnachtsmann zu erklären.”
“Dann gehe schnell zur Burg und erzähle das dem König, bevor noch etwas passiert! Ich würde ja gerne mit kommen, aber du weißt ja – die Verletzung von den Drachenkriegen…”
In den Drachenkriegen ging es um den Glauben an Drachen. Eigentlich war es ja offensichtlich, dass es Drachen gab, aber einige Leute wollten das einfach nicht glauben und dadurch war das Leben der Drachen gefährdet, sie ernährten sich nämlich vom Glauben der Menschen an ihre Existenz. Von dem und von Jungfrauen. Zumindest erzählte man sich das. Gewonnen hatte keiner die Kriege. Es blieben aber nur wenige Drachen übrig.
Schuppi trat eilig vor den König.
“Herr König! Das waren nicht die Kobolde! Die Geschenke sind bald da!”
“Woher soll ich wissen, dass du die Wahrheit sagst?”
“Selbst wenn es nicht stimmen sollte: Besser Sie greifen nicht als Erste an!”
“Das kann ich nicht tun! Sie haben unser Gold! Ähm, unsere Geschenke! Das ist sicher!”
“Gold…?”
“Raus mit ihm!”
Sie warfen Schuppi aus dem Schloss. Der Krieg endete so schnell, wie er begonnen hatte. Bald waren fast alle Kobolde gefangen oder ermordet. Schuppi sah nur noch einen Ausweg. Er steckte den Weihnachtsbaum am Marktplatz der Reichshauptstadt in Flammen, um auf sich aufmerksam zu machen. Alle Einwohner versammelten sich um den Baum. Als der König davon hörte, ging auch er zum Marktplatz, um einen möglichen Aufstand zu verhindern. Selbst die freundlichen Arbeiter kamen undsie berichteten von ihrer Übernahme der Weihnachtsfabriken. Den Weihnachtsmann hatten sie ermordet.
“Leute, hört mich an!”, sprach Schuppi. “Die Kobolde hatten nichts mit den Geschenken zu tun! Es gab eine Verzögerung, weil die freundlichen Arbeiter den Weihnachtsmann entlasten wollten, wie sie euch gerade erzählten! Ich habe das dem König gesagt! Er griff die Kobolde trotzdem an, weil er ihr Gold haben wollte! Und ihr habt daran teilgenommen, obwohl ihr es besser hättet wissen können! Und ihr Arbeiter: Wie wollt ihr Recht auf Unrecht gründen?”
Die Leute überlegten eine Weile. Schuppi sah sie schweigend an. Offenbar hatten die Menschen den Glauben an sich selbst verloren. Und plötzlich verschwanden sie und mit ihnen die freundlichen Arbeiter. Auch der König und seine Gefolgschaft lösten sich auf. Jedoch erkannte Schuppi seinen Vater, wie er vom Brunnen auf ihn zukam. Er war bei den Drachenkriegen gefallen und war jetzt wieder am Leben. Seine Mutter sah er über sich fliegen. Ihre Verletzung war verheilt.
Schneewittchen und der Turmbau zu Babel
Es war einmal in einem Paralleluniversum. Teatime.
Schneewittchen war das schönste Mädchen im ganzen Königreich Berlin und: Sie war eine Prinzessin! Sie war reich, sie war von hohem Stand, aber sie war unglücklich, denn niemand erfüllte ihren innigsten Herzenswunsch: Sie wollte frei sein! Das Problem: Ihr Vater hatte sie im höchsten Turm des Familienschlosses eingesperrt – Tradition, nur zu ihrem Besten, sie werde eines Tages dankbar dafür sein. Weitere Probleme: Eine mordlüsterne Stiefmutter, drei böse Schwestern, dornige Rosen vor ihrem Schloss, ein Drache als Wächter, kriegstreiberische Brüder und ein Bauernaufstand.
Zahlreiche tapfere Ritter hatten schon versucht, die Prinzessin zu retten. Doch keiner von ihnen war je am Drachen und an den Dornen vorbeigekommen, weil sie alle bereits auf ihrem Weg zum Schloss von einem Zug überfahren worden waren. Doch zum Glück versuchten nun die Bauern jene bessere Festung zu erobern, um den dort vermuteten Adel zu enteignen.
Doch Schneewittchens böse Brüder schlugen den Aufstand und im Eifer des Gefechts auch sich selbst brutal nieder.
Nun versuchte auch noch ihre böse Stiefmutter die Prinzessin zu vergiften! Die Stiefmutter war nämlich schon alt und hässlich und sah aus wie eine Kröte, was sie sehr eifersüchtig werden ließ, denn der Schönheitswahn hatte sich ihrer Seele bemächtigt. Zu ihrem übergroßen Pech tötete sie versehentlich Schneewittchens drei böse Schwestern, die stets versucht hatten, Schneewittchen an die Araber zu verkaufen. Schlussendlich rief unsere Heldin beim Bundeskriminalamt an und meldete ihre widerrechtliche Gefangenschaft. Die Jungs vom GSG 9 zögerten nicht lange und machten das Schloss samt Drachen dem Erdboden gleich. Aber Schneewittchen war bereits von einer sprechenden Teetasse gerettet worden.
Über sieben Berge musste sie gehen, bis sie endlich im mittelalterlichen Bayern ankam. In der Hoffnung, hier ihre Ruhe zu finden, wollte sie sich mit ihrem Gold eine kleine, bescheidene Villa kaufen. Doch sie hatte keinen Erfolg, denn in Bayern war es in ihrer Abwesenheit zu einer großen Sprachverwirrung gekommen und kein Mensch verstand mehr den anderen. „You wollen uno Villa, then tu dois unterschreiben cela“, sagte etwa der örtliche Straßenimmobilienhändler.
Gott war nämlich sauer auf die Menschen gewesen, weil sie sich alle wunderbar verstanden hatten. Die nationalen Grenzen waren verschwommen und eine Weltgemeinschaft voller Solidarität war entstanden. Wie langweilig. Seine Schöpfung sollte sich gefälligst ein bisschen bekriegen, zumindest wenn sein außerwähltes Volk, die Bayern, den Sieg davon trugen. Und überhaupt: Wo blieb der Nationalstolz, die Religion, die Tradition? Die hatte er sich doch extra dazu ausgedacht, damit sich die Menschen gegenseitig die Köpfe einschlugen. Wenn sie schon nur noch Mist im Fernsehen brachten. Mit Leuten, die Kühe melken. Die hatte er sich schon viele tausend Jahren lang anschauen müssen!
Doch Schneewittchen passte das gar nicht, deshalb bezahlte sie ein paar Gastarbeiter dafür, irgendetwas zu tun, was letztere natürlich nicht verstanden. Im Endeffekt entschlossen sie sich jedenfalls dazu, einen gewaltigen Turm zu bauen, der bis in den Himmel ragte, obgleich er nicht größer war als der Houston Tower, während Gott ungläubig den Kopf schüttelte. “Genug! Zeit für eine neue Sintflut!“ sprach er und so geschah es auch. Alles wurde weggespült. Die ungläubigen Mörder, die ungläubigen Vergewaltiger und natürlich die ungläubigen Frauen und kleinen Kinder, die das Pech hatten, einer anderen oder gar keiner Religion anzugehören als Gott. Auch die Sprachverwirrung. Doch die Menschen begannen schon wieder, zusammenzuarbeiten, statt Krieg zu führen.
„Seid ihr blind?“ fragte Gott. „Das sind Schwerter und keine Pflugscharen!“
Dann wandte er sich an Schneewittchen als gewählte Repräsentantin der Menschheit und sagte:
„Nun gut: Ich werde nicht mehr in das Weltgefüge eingreifen, wenn du meinen richtigen Namen errätst!“
Sie antwortete:
“Keine Ahnung. Vielleicht…“
„Ich wäre nicht so vorschnell, du kannst auch einen Joker einsetzten, wenn du dir unsicher bist.“
„Na schön. Ich frage das Publikum.“
Als die Ergebnisse da waren, sagte Gott:
“5 % sagen Jahwe. 50% sagen Allah. Und 100% sagen Elvis.“
„Das geht aber gar nicht auf!“, beschwerte sich Schneewittchen.
„Hey! Habe ich hier die Welt erschaffen oder du? Meine Rechenfähigkeiten sind unbegrenzt! Ich bin allwissend und überhaupt! Weißt du eigentlich, wie verflucht komplex die Evolution ist? Und sowas habe ich in gerade mal 10-30 Milliarden Jahren erschaffen!“
Das schönste Mädchen des ehemaligen Königreiches dachte nach. Sie entschied sich dazu, dem Publikum keine Beachtung zu schenken und sich auf ihre eigene Logik zu verlassen.
„Hm, du bist der mächtigste Mann der Welt. Der amerikanische Präsident …. nein … Geld regiert die Welt … ein Ölscheich, Bill Gates … Das ist es!“
„Also, wie heiße ich?“
„Bill Gates!“
„Verdammt, du hast es erraten! Na schön. Dann werde ich hier wohl nicht mehr gebraucht. Mist, Windows hätte die Welt beherrschen können! Und das kurz bevor ich die neue Version fertig hatte!“
„Wir sind schon froh, dass diese endlich läuft, einigermaßen. Sieh es ein: Im Erschaffen bist du eine echte Null!“
Gott löste sich auf und die Menschen konnten endlich ihre Weltgemeinschaft wieder errichten. Schneewittchen heiratete die sprechende Teetasse. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Zumindest, wenn sie das Gesundheitssystem nicht privatisiert haben.
Missverständnisse
Wallus ist Frieden; im metaphorischen Sinne
Interview des Moderators vom “Mitternachtsmagazin” mit dem wallischen Theologen Josephus Ali:
“Ich freue mich, Sie hier begrüßen zu dürfen, Herr Ali.”
“Wallus sei mit dir.”
“Womit wir auch gleich beim Thema wären: Infolge des wallischen Extremismus ist die gesamte Religion des Wallus in Verruf geraten. Viele Leute haben Angst, dass die Fanatiker die heilige Schrift vielleicht gar nicht so falsch interpretieren…”
“Ja, Laien fällt es leicht, so etwas zu glauben. Doch lassen Sie mich zunächst eine der umstrittensten Stellen aus der heiligen Schrift zitieren:
“Ich bin Wallus, dein Gott, der dich nach Ägypten geführt hat. Und ich befehle dir, alle Ungläubigen zu suchen, zu töten und ihre Körper zu zerstückeln. Keine Blumen sollen ihr Grab zieren.”
“Nun, für einen Laien klingt das ja auch recht eindeutig…”
“Ja, aber auch nur für einen solchen. Lassen Sie mich diese Stelle erklären: Zunächst einmal stellt sich Wallus als der Gott der wallischen Glaubensgemeinschaft vor. Er erinnert sein Volk daran, wie er sie nach Ägypten geführt hat…”
“Aber das ist doch nie passiert, oder?”
“Darum geht es nicht. Das ist theologisch zu verstehen als ein Bild mit Wallus als dem Führer seines Volkes.”
“…und Wallus führt sein Volk in ein Land, das es laut der heiligen Schrift militärisch besetzen wird?”
“Die Ägypter waren Imperialisten. Man musste ihrem Treiben Einhalt gebieten.”
“Ich dachte, das wäre nur theologisch gemeint? Wie dem auch sei: Was bedeutet denn nun die Stelle mit dem Suchen und Töten von Ungläubigen?”
“Das heißt nicht viel mehr, als dass man auf Andersgläubige zugehen soll…”
“…um sie zu ermorden?”
“Nein, natürlich nicht! ‘Töten’ meint hier nur den Versuch, sie vom wallischen Glauben zu überzeugen.”
“So ist das… Und warum sollte man dann ihre Körper zerstückeln?”
“Aber doch nicht ihre Körper! Das Wort “Körper” meint im wallischen Glauben “Hass”. Schließlich schlagen und morden Menschen mittels ihres Körpers.”
“So wie sie auch sonst alles mit ihrem Körper tun…”
“Es ist als Symbol zu verstehen. Das darf man nicht wörtlich nehmen.”
“Nun gut… Und warum soll man keine Blumen auf ihr Grab stellen?”
“Das hat schlicht die Bedeutung, dass man dem Hass der Andersgläubigen nicht nachtrauern soll.”
“Schön. Gut… Dann gäbe es da noch eine Frage, die uns unsere Zuschauer gestellt haben: In der heiligen Schrift des Wallus steht:
“Dein Weib ist deinem Vieh gleich. Und wie dieses sollst du sie mit deiner Faust oder mit einem stumpfen Gegenstand schlagen, bis sie dir ein wohlgeratenes Weib geworden ist. Sollte sie ihre heiligen Pflichten zu oft vernachlässigen, so darfst du sie zu mir führen, auf das ich mich ihrer annehme.”
“Ja, eine beliebte Stelle. Lassen Sie sie mich erläutern: Das Weib ist die Ehefrau, die in der wallischen Religion eine wichtige Rolle trägt, für die sie respektiert wird. Es handelt sich um den Aufzug von Kindern und das Hüten des Heimes. Dass sie dem Vieh gleich sei, ist viel mehr eine Ehre für die Frau. Schließlich sind Tiere für uns Wallianer Götter. Mit dem “schlagen” ist natürlich nicht die körperliche Gewalt gemeint. “Schlagen” bedeutet “überzeugen” und der stumpfe Gegenstand stellt eine Metapher für “überzeugende Argumente” dar. Dass man die Ehefrau zu Wallus führen soll, heißt nur, dass man ihr raten möge, sie solle vielleicht einen Tempel des Wallus besuchen, um von ihrem unrechten Wege abzukommen. Wallus wird sie dann zur Erleuchtung führen.”
“Ja, ist schon recht! Ähm, ich meine, dass ist sicher das gute Recht des Mannes… Wie dem auch sei, ich denke sie haben heute viele Missverständnisse und Vorurteile abgebaut. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ali.”
“Keine Ursache. Ich möchte Sie auch gerne einmal in unsere Gemeinde einladen.”
“Danke, vielen Dank, aber ich, ähm, muss heute abreisen – ich muss nach Mekka pilgern… oder so. Auf Wiedersehen, Herr Ali.”







