Die Münchner Feministin Hannelore Mabry legte 1987 im SPIEGEL Wert auf die Feststellung, sie habe eine Gruppe nichtfeministischer Frauen nicht als Arschlöcher, sondern als Arschlöcherinnen bezeichnet. (Wolf Schneider)
Alle Zitate
ESO-Blog
Zwischenblog
Um das eklige letze Bild wegzubekommen, hier ein Zwischenbild, um unseren Lesern das letzte nicht weiter zumuten zu müssen (Dank an ähem, für den letzten Hinweis …)
Das Bild befasst sich mit Physik, eine Entwurfsskizze für ein Perpeteum Mobile. Interpretationen sind bis zum nächsten Blog erlaubt.
Who the fxxx is DrNatura – Marion ?
Aufmerksame Leser von EsoWatch-Artikeln werden sich vielleicht noch an die unsäglichen Betrügereien um vermeintliche Leberreinigungsprodukte erinnern, die im September 2009 Spiegel-Online veranlassten, uns zu zitieren. Damals berichteten wir über die alternativmedizinische Praxis, Kunden einzureden, sie hätten in großer Zahl behandlungsbedürftige Gallensteine. Eine von bestimmten „Diagnostikern“ sofort angebotene simple „Leberreinigung“ mit Ölen und sauren Getränken führt dann zur Bildung von so genannten Seifensteinen, die in der Toilette zum Vorschein kommen und als Beweis der Gallensteine bezeichnet werden. Anbieter von Leberreinigungsprodukten erschaffen sich also eine Scheinkrankheit, für die dann eine Scheintherapie verkauft wird.
Nun ist EsoWatch einem analogen Phänomen, einer besonderen Form der Darmreinigung, auf der Spur. Diese ist insbesondere in den USA als eine Form des „Colon Cleansing“ verbreitet, und wird von mehreren Firmen propagiert. Aber auch im deutschsprachigen Raum und in ganz Europa wird zur Zeit versucht, diese bestimmte Form einer rein diätetischen Darmreinigung zu verkaufen. Dabei wird den Kunden (z.B. für 89 Euro) ein Gemisch bestimmter Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verkauft, die im Dickdarm am Darmschleim binden und von der Konsistenz her gummiartige Gebilde entstehen lassen. Wieder behaupten die Anbieter, dass es sich bei den imponierenden Toiletten-Würsten und -Girlanden um behandlungsbedürftige Zustände handele, diesmal als „Schleim-Plaque“ (mucoid plaques) bezeichnet, aber natürlich anatomisch-medizinisch völlig unbekannt. Ursprünglich geht die Erfindung des Begriffs mucoid plaque auf einen amerikanischen Händler für Nahrungsergänzungen namens Richard Anderson zurück.
In Deutschland sind dazu Aktivitäten eines Heilpraktikers Timo Pfau aus Tettnang (Firma “Ejuva”) zu beobachten, sowie die einer mysteriösen Marion aus Bonn. Hinter Marions „Kundendienst“ steht eine undurchsichtige Firma “DrNatura” mit Briefkastenadresse einer „Mailboxes etc“ in London, die Produkte wie “Colonix”, “Toxinout”, “KleriTea” oder „Paranil” mit verbotener, gesundheitsbezogener Werbung und angeblichem Kundenlob auf impressumslosen .de-Seiten im Internet bewirbt. Die eigentlichen Drahtzieher sitzen aber wohl eher in Budakeszi in Ungarn, worauf auch die IP-Adresse des Servers (195.228.75.57) DrNatura.de hinweist. Die europäische EU-MWSt.-Nummer SK2022247689 ist jedoch die der slowakischen Firma “Dr Natura, s.r.o.” aus Komárno in der Slowakei. Selbst die Mutterfirma DrNatura ist in den USA in Fort Mill (South Carolina) als c/o zu Hause, bei einer “IPD” (International Pharma Packaging & Distribution).
Die Telefonnummer des deutschsprachigen “DrNatura Kundendienstes” führt zu einem anonymen Telefonanschluss in Bonn. Aber: Wer verdammt nochmal ist Marion?
Markus Söder, Gentechnik und die Schöpfung
Überschätzte Gefahr: horizontaler Gentransfer bei Eukaryoten
Von der niederbayerischen Bäuerin* geht das etwas böse und skurrile Vorurteil, sie glaube noch an Dämonen. Dass sich der Dämonenglaube – in anderer Form und mit einem anderen Dämon – hartnäckig in Bayern hält, ist eine andere Ansicht.
Dämonen glaubt man dann am Werke, wenn man so gar nicht weiß, warum etwas passiert, oder wenn man Dinge, die passieren, so gar nicht im Griff zu haben meint. Auch Technik kann dämonisiert werden, vor allem wenn man sie nicht einschätzen kann oder ihre Wirkungen nicht direkt sehen. Eine solche Technik ist die Gentechnik. Nicht nur die niederbayerische Bäuerin weiß damit nichts anzufangen, sondern offenkundig auch der bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder. Von Haus aus Jurist, wähnt der Herr Söder in der Gentechnik wohl eine solch dämonische Macht und im ausübenden Wissenschaftler den kleinen Bruder des Antichristen.
Söder äußert sich auf Abgeordnetenwatch wie folgt:
der grünen Gentechnik stehe ich skeptisch gegenüber. Die ökologischen Auswirkungen sind ungeklärt. Die Bewahrung der Schöpfung ist ein zentrales Gut.
So macht dann auch der jüngste juristische Vorstoß Bayerns Sinn:
„Bayern plant gesetzliches Verbot der Gentechnik“
Einmal dahingestellt sei die Möglichkeit, dass man ganz schlicht in populistischer Weise versucht, der Bäuerin nach dem Mund zu reden, s.o. Wobei das nicht so ganz abwegig ist hiernach:
Während das generelle Urteil über Vor- und Nachteile der Gentechnik in verschiedenen Bevölkerungsschichten differenziert ausfällt, stößt ein Einsatz der Gentechnik speziell in der Landwirtschaft auf breite Ablehnung: 74 Prozent der bayerischen Bevölkerung sind prinzipiell gegen einen solchen Einsatz. 71 Prozent unterstützen die Forderung, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Bayern generell zu verbieten.
Ökotrend Bayern – Einstellungen der bayerischen Bevölkerung zu umweltpolitischen Fragen
Sei’s drum.
Was also ist die Basis dieses bayerischen Vorgehens?
Liest man die Seiten des bayerischen Umweltministeriums, so wird dort für Laien relativ gut beschrieben, was hinter der Gentechnik steckt und wie sie funktioniert: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit:Was ist Gentechnik? Aber der Herr Minister selber muss das nicht lesen, es genügt ja, wenn man weiß, was das Volk will, nämlich die „Schöpfung bewahren“, siehe Umfrage oben. Der Herr Söder tritt ja auch sonst für mehr Schulgebete und weniger Gotteslästerung ein. Zumindest will er das eine fördern und die Bestrafung für Letzteres am liebsten verschärfen.
Anstatt das Volk über die Gentechnik aufzuklären, wie man es sogar auf den ministeriumseigenen Seiten versucht, wird undifferenziert den Leuten nach dem Mund geredet, die zu viel „Der Angriff der Killertomaten“ gesehen haben.
Dass solche Vorgänge, wie sie der Mensch bei der Gentechnik bewusst macht, in der Natur täglich seit Anbeginn des Lebens ablaufen, millionenfach auf jedem Hektar Boden und in ihm, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Man versucht also zu schützen vor dem planmäßigen Eingriff, während man dem natürlichen gleichartigen oder ähnlichen, zufälligen Vorgang an sich nicht dämonisiert, weil man ihn nicht bemerkt und von ihm nichts weiß. Zufall gut – Planung schlecht. Oder: Wissenschaft böse – „Schöpfung“ gut. So einfach kann die Welt sein, wenn man nicht den Hauch eines Schimmers einer Ahnung hat, was „die Natur“ überhaupt ist, und annimmt „die Schöpfung“ ™ sei statisch. Je nach spiritueller Ausrichtung wähnt der gemeine Gentechnik-Gegner da entweder GOTT oder eine liebende Mutter Natur am werkeln, dem oder der man nicht ins Handwerk pfuschen dürfe. Der gentechnizierende Mensch wird also als Widerpart dieser Entitäten gesehen, als Antichrist, der sich gegen die Schöpfung versündigt.
Man ahnt es: Das sind die Menschen, die auch glauben, „normales“ Essen sei „genfrei“.
Einen denkwürdigen Auftritt muss Söder in 2009 gemeinsam mit anderen Gentechnik-Gegnern gehabt haben. So berichtet, sichtlich beeindruckt, Michael Miersch im Juni letzten Jahres:
Es war schon ein besonderes Erlebnis als der Seehofers Liebling mit Vandana Shiva und Percy Schmeiser vor die Mikrophone trat. Ich war beeindruckt, wie oft er das Wort „Schöpfung“ in einen Satz packen kann. Also, wenn ich es recht verstanden habe, müssen wie die Schöpfung und ihre Ge-schöpfe im Sinne der Schöpfung schützen oder so. Erstaunlich auch, wie viele Falschbehauptungen man in einer Viertelstunde Pressegespräch unterbringen kann. Das schafft Söder allein noch nicht mal in Wahlkampfreden.
achgut.com: Söder und die Scharlatane
Es ist schon immer wieder traurig, wie unbeleckt vom Fach man sein kann und trotzdem zum Minister hochgeseilschaftet wird. Entgegen so mancher Eigenmeinung verhilft das Jura-Studium vielleicht zu einer gewissen Redegewandtheit, aber mitnichten zu Omnikompetenz. Vielleicht hat der Herr Söder auch nur zu sehr auf seinen Herrgott vertraut, der dem Sprichwort nach zum Amt auch anderes vergibt. Was war das noch mal? Es will einem beim Beispiel Söder nicht so recht einfallen. Eigentlich würde man empfehlen wollen, der Herr Söder sollte lieber bei anderen Themen, leichter durchschaubaren, bleiben. Doch auch da ficht er gegen die neue Zeit:
SPON: CSU-General bekämpft neue Mainzelmännchen.
Aber da ist er ja ganz eins mit seiner Klientel. Mit dämonenfürchtigen Bäuerinnen, gentechnikfürchtigen Schöpfungsgläubigen und anderen gottesfürchtigen Wissenschaftsfeinden.
* Alle niederbayerischen Bäuerinnen, die nicht an Dämonen glauben, bitten wir natürlich um Entschuldigung. Aber Sie wissen schon, wer damit gemeint ist.
Anonyme Alkoholiker: Ein positives Vorurteil oder 12 Schritte ins Abseits?
Die Anonymen Alkoholiker (AA) gelten gemeinhin als vertrauenswürdige und seriöse Organisation. Sie bestehen seit 75 Jahren und haben durchaus Menschen zu einem neuen, einem trockenen Leben verholfen. Zu Hauf werden Menschen, die durch ihre Sucht zum Beispiel mit dem Gesetz in Konflikt kamen, an diese Institution verwiesen. Kaum einer jedoch hat sich bislang die Mühe gemacht, einmal zu schauen, was sich hinter dieser Gruppierung verbirgt und wie sie den Menschen zu einem Leben ohne Alkohol verhelfen will. Alkoholiker haben, obwohl es Schätzungen zufolge etwa 1,3 Mio. Alkoholabhängige gibt, keine Lobby.
Die auffällig gewordenen Alkoholiker werden also zum Beispiel an die AA verwiesen, um sich dort im Rahmen der Selbsthilfe von anderen Betroffenen, Laien, helfen zu lassen. Bei den AA befolgt man einen eigenen Plan, die sogenannten 12 Schritte. Diese 12 Schritte sind schon Bestandteil des Vorgehens seit der Gründung 1935. Das Rezept der Anonymen Alkoholiker zur Abstinenz ist also 75 Jahre alt, jegliche Ergebnisse moderner Suchtforschung können demnach schon einmal nicht beinhaltet sein.
Doch wie sehen diese 12 Schritte nun aus?
„Die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker
1. Schritt: Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
2. Schritt: Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
3. Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.
4. Schritt: Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
5. Schritt: Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.
6. Schritt: Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
7. Schritt: Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
8. Schritt: Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
9. Schritt: Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
10. Schritt: Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
11. Schritt: Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstanden – zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
12. Schritt: Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.
Quelle: http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/01horiz/01schri.php
Das Rezept der Anonymen Alkoholiker besteht also darin, an die Stelle der Abhängigkeit von einer Substanz eine Abhängigkeit von einer „höheren Macht“ oder „Gott“ zu setzen. Der Mensch wird demnach nicht in seinen Selbstgestaltungsoptionen, seiner direkten Eigenverantwortlichkeit gestärkt und unterstützt, sondern zu einem „spirituellen Erweckungserlebnis“, zu einer imaginierten Hilfsentität hingeführt.
Eine spaßhafte Umsetzung gibt es in dieser „Southpark“-Folge:
Hinsichtlich der Effektivität der Hilfe der AA ist das Bild bestenfalls uneinheitlich:
http://onlinelibrary.wiley.com/o/cochrane/clsysrev/articles/CD005032/frame.html
Eine kritische Seite, die die Anonymen Alkoholiker beleuchtet, gibt es auch:
Kritik scheint nicht gerne gesehen laut dieser Seite und eine Einbeziehung modernerer Konzepte als die Gottergebung scheint auch nicht in das Konzept dieser Gruppierung passen zu wollen.
Wenn das Ergebnis nicht besser ist als andere Optionen der Suchtbekämpfung, sollte man in der Empfehlung von sektoiden Strukturen, wie sie bei den AA möglicherweise vorliegen, mindestens vorsichtig sein und ggf. die Gruppe vor Ort erst einmal anschauen.
Akupunktur im ärztlichen Alltag
Eine lesenswerte Diskussion im Ärzteblatt:
Solange wir Orthopäden in BW für die Basisversorgung unserer Patienten für das ganze Quartal 25,47 € zur Verfügung haben und nochmals 10,93 € (=42,9 %) für die Akupunktur dazu erhalten können, für jämmerliche zusätzliche 6,67 € (= 26,2 %) jedoch die gesamte Rö-Diagnostik eines ganzen Quartales abdecken müssen (bei weit höheren Investitionen, Sachkosten, Personalanforderung, Quali-Sicherung, Film- und Rö-Konstanzprüfungen, etc.), ist diese ambulante medizinische Welt einfach nicht in Ordnung. Ein Verfahren, welches in Studien keinen durchgehend reproduzierbaren Effekt aufweist und nach meinen langjährigen Erfahrungen im Wesentlichen durch einen meist nur vorübergehenden Zuwendungseffekt geprägt ist, kann und darf einfach nicht die finanziellen Ressourcen unserer Basisversorgung auffressen. Der aktuelle Beitrag im Ärzteblatt sollte den Herren in der Gebührenkommission die Ohren klingeln lassen!
Hier weiterlesen.







